Werner Bergengruen, mein verehrter baltischer Landsmann, lässt seinen „letzten Rittmeister“ die Worte sagen:
„Ein Aristokrat ist jemand, der lieber mit ungeputzten Schuhen herumläuft, bevor er sich seine Schuhe selber putzt.“
Ich bin in einem baltischen Bürgerhaus aufgewachsen. Die finanziellen Verhältnisse waren dort nach dem ersten Weltkrieg mehr als bescheiden. Man hatte kein Radio - aber natürlich ein Klavier. Man lebte von Kartoffeln, Sauerkraut, Steckrüben und Schmalzbroten - hielt sich aber eine Köchin! So, wie man sich heute einschränkt, um Auto fahren zu können, lebte man damals bescheiden, um sich bedienen zu lassen - und gab damit vielen Leuten Arbeit.
Man mag heute über Relikte einer „Klassengesellschaft“ lächeln. Oft wird dabei übersehen, daß – anders als die neuen Herrschaften - die alten Herren dem Ideal von Ortega y Gasset weit mehr entsprachen: „Zur Elite gehört nicht der, der mehr sein will als die anderen, sondern der, der mehr von sich verlangt!“ Wo sind die Zeiten, als die Regel galt: „Erst die Pferde, dann die Leute und wenn alles versorgt ist, aufdecken für die Offiziere!“
Heute verhandeln Manager, die ein gemeinnütziges Unternehmen wie die „Neue Heimat“ in den Sand gesetzt haben, über Millionenabfindungen. Sind das Herren?
Erinnern wir uns also schmunzelnd der Zeiten, als es noch Herren gab.