Meine Lieblingsbücher sind

Werner Bergengruen: Der Tod von Reval

Hans Freiherr von Stackelberg: Gutsherren, Buschwächter, Jungjäger und Wilddiebe, Wedemark-Elze 1994

Jaan Kross: Wikmani Poisid   Tallinn, "Eesti Raamat" 1988

Aber ich schreibe auch selber Bücher wie Z. B.

Opa das kannst du auch mein Enkel erklärt mir den Computer oder Band II   ... Mein  Enkel erklärt mir das Internet

.....aber nicht nach dem Motto:

"Dat Wenige wat ick lese schreib ick mir selba"

Hier ein paar Kostproben aus meinem nächsten Manuskript:

Der einäugige Kommandant

Im Jahr 1961 diente ich als Oberleutnant zur See in einem Ausbildungsregiment. Mein Kompaniechef war ein Kapitänleutnant von Studberger. Er war auf einem Auge fast blind. Die Einstellungsuntersuchung hatte er trotzdem glänzend bestanden, Sein Trick war es, sich bei der Augenuntersuchung abwechselnd mit der linken und dann der rechten Hand das blinde Auge zuzuhalten. So konnte er die Zahlentafeln mit dem einzig sehenden Auge blendend ablesen, bis der Stabsarzt endlich „tauglich“ sagte und von Studberger zu seiner geliebten Marine zurück durfte.

Als Kommandant eines Torpedofangbootes hatte er nur beim Entfernungsschätzen Probleme wegen der fehlenden Parallaxe. In See standen ihm ja seine Ausgucks zur Seite. Aber bei der Ansteuerung des Hafens übernahm natürlich der Alte. Schneidig stand von Studberger beim Einlaufen auf der Brücke und kommandierte mit knarrscher Befehlsstimme:
„Klar zum Anlegen an Steuerbord!“
„Beide Maschinen stopp!“
„Beide Maschinen äußerste Kraft zurück......hat schon keinen Zweck mehr !“
Rrummmms.
„Scheisse , gehen wir eben in die Werft!“
Der Flottillenchef hatte das Manöver von der Pier aus beobachtet. Von Studberger erkannte ihn an dem vielen Gold auf dem Mützenschirm. Seine Sehschärfe reichte allerdings nicht, um festzustellen, ob der Kommandeur ein glückliches Lächeln um die Lippen zeigte.
Kaum waren die Leinen über, machte sich von Studberger auf den Weg zum Alten um seine Meldung loszuwerden. Die Hand an der Mütze und den Blick fest auf die Augen des Flottillenchefs gerichtet schritt er auf den Vorgesetzten zu .....und versank in strammer Haltung zwischen Schiff und Pier im Wasser. Studberger hatte nicht bemerkt, dass die Stelling, die Land und Schiff miteinander verbindet, noch nicht ausgebracht war. Dies wurde sein letzter Seetag. Und nun plagte er sich an Land mit seinen Rekruten.

Da die fehlende Sehschärfe von Studbergers erst nach der Übernahme als Berufssoldat aufgefallen war, ist anzunehmen dass der einäugige Marineoffizier noch eine steile Karriere in Landdienststellen der Bundeswehr gemacht hat.




Radfahrer

Jedem leuchtet ein, dass man die Kiwis in Neu Seeland unter Artenschutz stellt. Es gibt nur noch etwa hundertfünfzig Exemplare dieser Spezies, die es vor der völligen Ausrottung zu bewahren gilt.
Nicht dagegen vermag ich einzusehen, warum Radfahrer in meiner Heimatstadt Hamburg offensichtlich den gleichen Schutz des Gesetzgebers genießen, wie die Kiwis.
Die Radfahrer sind nämlich weder vom Aussterben bedroht, noch verfügen sie über seltene Gene, die für eine Erhaltung dieser Art sprechen. Vielmehr entwickeln sie sich zunehmend zu einer echten Plage für bedrohte Lebewesen wie die letzten Fußgänger, die sie, schamlos ihre Wildwechsel missbrauchend, von den angestammten Bürgersteigen zu verdrängen suchen.
Unter der Obhut eines rot-grünen Senats wurden in unserer schönen Stadt vielerorts Radfahrwege angelegt, die man in feinstem Klinker gestaltete, während die Pfade der Fußgänger naturbelassene Sandwege mit schlammigem Untergrund und tiefen Pfützen blieben– jedenfalls in den Parkanlagen um die Alster.
Wo Radfahrer und Fußgänger den gleichen Bürgersteig benutzen, nähern sich erstere katzenartig auf lautlosen Reifen von hinten den verstörten alten Leuten. Das Klingeln ist nicht mehr in. Rentner, die über die Disziplin des Seitensprungs längst hinaus sind, springen mit jugendlichem Schwung erschrocken zur Seite , um sich von haarscharf am Ärmel vorbeirasenden Kurierfahrern in Sicherheit zu bringen.
Eine natürliche Auslese, wie sie in Wald und Feld durch Raubwild oder Jäger möglich ist, findet im Straßenverkehr nicht statt. Radfahrer sind ganzjährig nicht freigegeben. Autofahrer, die Ihr Vorfahrtsrecht auch gegenüber Velozipedfahrern in Anspruch zu nehmen versuchen, werden von der Polizei gnadenlos verfolgt. Mancher Auffahrunfall ist nur darauf zurückzuführen, dass ein Fahrzeuglenker voll in die Eisen steigen musste, weil ihm in der Einbahnstraße ein unbeleuchteter Radfahrer entgegen kam oder ein Fahrradkurier im Vertrauen auf seine Schonzeit direkt vor dem Auto über den Zebrastreifen nagelte.
Während der deutsche Fußgänger – im Gegensatz zu den Gepflogenheiten im Ausland – auch bei völlig leerer Straße geduldig an der Ampel auf grün wartet, zischen Legionen von Radlern ohne die Autos auch nur eines Blickes zu würdigen bei rot über die Kreuzungen der Innenstadt. Bevorzugte Reviere dieses Wildes sind auch unsere Fußgängerzonen, wo man mit schlangenartigem Slalomfahren durch die Passanten und Kinderwagen rast. Zum Glück sind unsere beiden Großsöhne inzwischen selbst Radler und aus dem gefährlichen Fußgängeralter heraus. Als Kind ist man ja nicht halb so sicher vor anderen Verkehrsteilnehmern wie als Fahrradrowdy. Leider lehnt der Große inzwischen das Tragen eines Sturzhelms ab. Man würde damit aussehen, wie Minister Scharping – und wer will das schon.
Radfahrer kaufen keine Ersatzteile. Überall findet man sauber angekettet geklaute Räder stehen, an denen sich die Bedarfsträger das Benötigte abmontieren. Hängt schließlich noch ein kümmerlicher Rahmen am Zaun, kommt sofort eine Politesse und klebt einen roten Zettel daran: „Wenn Sie Ihr widerrechtlich geparktes Fahrzeug nicht innerhalb von vier Wochen abholen, wird es kostenpflichtig von der Stadt entfernt!“ Welch goldener Humor der Beamten. Hat man den Namen des Diebes nicht, hilft vielleicht die Aufforderung, die Kosten der Entsorgung zu übernehmen.
Keine Vorfahrt haben Autos mit Fahrrädern auf dem Dachgepäckträger. Es ist auch ein Irrtum anzunehmen, dass unsere Garagentore für so montierte Räder hoch genug sind.
Ich freue mich schon auf die Zeit nach meinem letzten Kraftwagen. Wenn man nicht mehr richtig sehen und hören kann, ist man reif für einen Drahtesel mit eingebauter Vorfahrt !



Der Reißverschluss

Das Prinzip des Reißverschlusses wurde schon im alten Ägypten von Karawanenführern entdeckt. Im Schatten der Dattelpalmen einer Oase ließ man damals die Tragtiere beiderseits des Trampelpfades ausruhen. Beim Aufbruch ergab es sich dann wie von selbst, dass sich abwechselnd jeweils ein Kamel von links und eins von rechts in die Formation der Karawane einreihte.
Bei Eseln funktioniert das Prinzip nicht, wie man auf Autobahnen beim Einfädeln in eine Spur leicht erkennen kann. Denn der Grundsatz „Einer von links, einer von rechts“ funktioniert eben nur so lange, bis so ein Esel im BMW oder Porsche sich dazwischen zu drängen versucht, weil er ja Geld genug für sein Vorfahrtsrecht bei diesen Autos bezahlt zu haben glaubt.
Als ich vor siebzig Jahren mein erstes Kleidungsstück mit Reißverschluss bekam, gab es keine Probleme mit dieser Erfindung. Der Verschluss war aus rostfreiem Metall und diente vorwiegend dem schnellen Schutz der Halspartie vor Zug und Kälte. In dieser Körpergegend gibt es bekanntlich keine störenden Wäscheteile die sich in dem technischen Wunderwerk einklemmen können. Am Zipfel angefasst , ratsch und schon ist der offene Hals vor Wind und Wetter perfekt geschützt.
Die Schwierigkeiten begannen, als die Textilindustrie uns den Reißverschluss an der Hose bescherte. Wem ist bei diesem Kleidungsstück noch nie ein Zipfel zwischen die Zähne geraten – ich meine natürlich den des Hemdes! Welche entsetzlichen Missverständnisse, wenn ein verzweifelter Gast sich von der Hausfrau dabei helfen lässt, das eingeklemmte Stück zu lösen, statt mit heraushängendem Zipfel aus dem Badezimmer zu treten. Doch ebenso peinlich ist es, das Verschließen der Hose einfach zu vergessen, wobei die Häufigkeit dieses Toilettenfehlers überproportional zum Lebensalter zunimmt. Wie soll man den Fehler auch bemerken ? Es zieht ja in der Hose nicht wie am Hals. Die einzige Möglichkeit, sein Versagen zu bemerken, ist es, die Blicke der Damen zu analysieren: Schauen sie hin und gleich wieder weg, ist der Toilettenfehler gering und verzeihlich. Bleibt der Blick gebannt auf die Schwachstelle fixiert, besteht die Gefahr, dass sich die Hose etwas zu weit geöffnet haben könnte. Der wohlerzogene Mann ignoriert das einfach und ordnet seine Hose erst später unter der Tischdecke. Wer errötend hingreift um den Nippel hochzuziehen, kann der ungeteilten Aufmerksamkeit aller Anwesenden sicher sein. Die gebildete Dame vermeidet in dieser Lage besser die Frage, ob das ein Angebot sein soll.
Eine besondere Teufelei der Modeschöpfer sind wärmeempfindliche Reißverschlüsse aus Plastik. Da hilft kein Hinweis auf den Kleiderschrank voller Blusen, wenn uns mit hilfesuchendem Blick gesagt wird: „Pappilein, ich habe den Reißverschluss gebügelt! Jetzt habe ich nichts mehr zum Anziehen!“
Auf ständigem Kriegsfuß befinde ich mit den Reißverschlüssen, die man erst zusammenstecken muss, bevor man mit dem Nippel die Zähne zusammen ziehen kann. Ich habe meinen Parka übergeworfen, weil mein Hund dringend hinaus muss. Jetzt stehe ich mit offener Windjacke in der Regenbö und fummele eine winzige kleine Schiene in die dafür vorgesehen Öffnung. Als ich sie gerade gefunden habe, zieht der Hund mir die Hand weg. Fluchend leine ich das Tierchen irgendwo an, um beide Hände für das Fummeln frei zu haben. Meine Finger sind inzwischen klamm. Endlich kann ich den Nippel hochziehen. Jetzt hat der Sturm meinen Schal zwischen die Zähne des Verschlusses geweht. Der klemmt natürlich. Nass und frierend stehen wir endlich im Flur und müssen uns anhören: „Warum gehst Du auch mit offener Windjacke bei so einem Wetter aus dem Haus?“
Es gibt übrigens ohnmachtsichere Schwimmwesten, bei denen man das Leben rettende Stück praktisch und sicher mittels eines stabilen Reißverschlusses auf der Brust zusammenfügt. Die Einfädelung der beiden Reißverschlussbahnen sollte allerdings schon vor dem Ablegen im Yachthafen vorgenommen werden. Ich würde den Erfinder dieser Weste gern erleben, wenn er sie im Sturm mit abgestorbenen nassen Fingern anzulegen versucht.
Es gibt inzwischen einen wissenschaftlichen Test. Das Ergebnis ist, dass man über 24 Mantelknöpfe in der Zeit schließen kann, die ein durchschnittlich begabter Reißverschlussbenutzer benötigt, um den Nippel in die Nut zu fädeln, die ihm dann das Hochziehen des Verschlusses gestattet.
Es wäre höchste Zeit, das in Vergessenheit geratene Zuknöpfen von Kleidungsstücken wieder zu erfinden.

Heimwerker

Meine früheste Erinnerung an einen Heimwerker ist mit meinem Onkel Erich verbunden. Er war ein erfinderischer Geist und konnte alles im Haus reparieren.
Bis er eine undichte Stelle an unserer Gasleitung mit einem Feuerzeug zu finden versuchte ! Man hält es nicht für möglich, wie weit eine Küchentür fliegen kann !
So begabt bin ich natürlich nicht. Als Seeoffizier hatte ich viele Jahre Techniker unter mir, so dass an Bord keine Notwendigkeit bestand , etwas von Technik zu verstehen.
Meine Gören hatten die Unart, mir zuzurufen: „Vorsicht Vati: Technik! “
Aber bei elf Umzügen lernt man, mit Bohrmaschine, Dübeln und Schrauben umzugehen.
„Siehst Du nicht, dass das Regal schief hängt?“
Zu einem routinierten Handwerker gehört ein Tube MOLTOFIL. Regal abmontieren, Bohrlöcher mit Spachtel verstreichen, zweiten Versuch mit Wasserwaage fahren. Das übt!
In der Küche ist der Abfluss verstopft. Kein Problem, wenn man Heimwerker ist.
Das Spülbecken steht voll Wasser, aber In der Mitte der Abflussöffnung ist deutlich eine Kreuzschraube durch das trübe Wasser erkennbar.
“Aha! Das haben wir gleich!“
Der Schraubenzieher passt. Schon nach vier Umdrehungen beginnt das Wasser abzulaufen :
„Schatz, das Wasser läuft wieder durch!“ rufe ich voller Handwerkerstolz ins Wohnzimmer:
Frau und Tochter erscheinen. Ein Aufschrei aus zwei Kehlen!
„Mutti, setz Dich drüben hin .Rege dich bitte nicht auf! Ich nehme Feudel und Eimer!“
Aus dem Spülschrank ergießt sich ein breiter Strom Schmutzwasser auf die Fliesen.
„Welcher Idiot hat denn das Abflussrohr an dieser Schraube montiert?“ fragt der frustrierte Meister.
Seit ich weiß, dass man einen Eimer darunter stellen muss, ist kein Abfluss mehr verstopft gewesen. Wieder etwas ganz umsonst dazu gelernt.
Über dem Spülbecken befindet sich eine Mischbatterie für kaltes und warmes Wasser, das aus einem Schwenkarm wahlweise ins linke oder rechte Becken fließt.
„Vati, der Schwenkarm klemmt!“
„Das ist doch eine Kleinigkeit für mich!“
Zwei mal hin und her. Na also, er geht doch! Ich öffne den Kaltwasserhahn und gebe vollen Druck aus der Leitung. Unversehens habe ich den Schwenkarm in der Hand, und aus der Bruchstelle sprudelt eine hohe Fontaine in die Küche.
Blitzschnell ist mein Daumen drauf, aber der dichtet nicht vollständig ab. Seitlich zischt ein Strahl entweder gegen die Fenster oder mir ins Gesicht. Ich wähle die zweite Alternative und rufe pudelnass um Hilfe. Da stehen Frau und Tochter in der Tür und wollen sich kaputt lachen. Respektloses Verhalten.
„Vati, warum drehst Du nicht einfach den Wasserhahn zu ?“
Es hilft tatsächlich! Toll, wie die Kinder heute technische Probleme in den Griff bekommen.

Wir kauften ein neues Adressenverzeichnis für unser Telefon: Das Modernste auf dem Markt. Man drückt auf einen Buchstaben und die Seite mit den Adressen öffnet sich. Nach acht Tagen klemmt eine Seite. Kein Problem, so was ist eine der leichtesten Übungen für den Meister. Als meine Frau vom Einkaufen zurück kommt, liegen alle Seiten und die dazu gehörenden Federn fein säuberlich geordnet auf dem Tisch. Im Auseinandernehmen bin ich Spitze. Nur das Zusammenbauen bereitet mir manchmal Probleme.
Schade um die viele Schreibarbeit beim Eintragen der Adressen. Wir haben jetzt wieder ein Verzeichnis ohne Knopfdrucktechnik.

Übrigens, wenn unsere Gasheizung nicht funktioniert, holen wir einen Handwerker.

Lautsprecher

Es ist ein Witz der Kulturgeschichte, dass die Weiterentwicklung des Kommunikationsmittels Trommel bis zum Schlagzeug im Zeitalter des Technosounds zur totalen Beendigung der Kommunikation zwischen unseren Jugendlichen zu führen droht. Konnte man noch vor 50 Jahren im Kongo erleben, dass ein Trommler seinen Rhythmus unterbrach, um zu fragen, ob man Lumumba mit einem oder mit zwei Bum schreibt, so herrscht heute im Dschungelleben unserer Diskotheken so ein ohrenbetäubender Radau, dass jedes Gespräch zwischen den Pärchen zwecklos wäre.
Ein Diskjockey sorgt dafür, dass seine 1500 Watt – Basslautsprecher ununterbrochen das immer gleiche „Ummta, Bummta“ über die mit Drogen aufgeputschten Tanzpaare dröhnt. Einzig die an das Paarungsverhalten der Schimpansen erinnernden Bewegungen der Hintern verraten noch, woran man gerade denkt.
Entsetzen packte mich als ich meine Großtochter einmal auf einem Rummelplatz in die Nähe der Kapelle führte. Wie die Band anfing zu spielen, spürte ich, dass das Vibrieren der Bässe meinen Herzschlag zu ungewohnten Rhythmen verbog. In panischer Angst floh ich mit dem Kind aus dem Wirkungsbereich des langhaarigen Bassgitarristen und des Frustschreie ausstoßenden Rocksängers am Mikrophon. Erst im Bereich der vorbeifahrenden Achterbahn erinnerte mich das Kreischen der abwärts sausenden Insassen wieder an menschliche Laute.
Die Lärmschutzwälle an unseren Autobahnen bekommen jetzt endlich Sinn. Sie sollen die Anwohner nicht etwa vor dem harmlosen Brummen der LKWs sondern vor Cabrios schützen, die mit offenem Verdeck und voll aufgedrehten Lautsprechern die Jugendsendungen des Norddeutschen vor die Geliebte auf den Tisch. Es ist auch der einzige Weg, beim Ober eine Cola zu bestellen
Welcher Fortschritt für die Menschheit ist doch die Erfindung des Lautsprechers!



Es fängt im Kopf an

Ich bin ein Mann in den besten Jahren. Na ja, ich kenne den bösen Spruch: „Die besten Jahre beginnen, wenn die guten vorbei sind.“ Aber ich fühle mich noch so knackig wie mit siebzig. Es wäre lächerlich, jetzt schon daran zu denken, dass ich alt werde.
Wenn da nicht diese kleinen Vergesslichkeiten wären:
Ich gehe zum Schrank, öffne ihn mit jugendlichem Schwung und stehe verlegen davor: „Was wollte ich holen?“
Na, war wohl nicht so wichtig.
Ich besuche meine Apotheke. , Guten Tag, Herr.......“ will ich sagen, aber das Wort erstirbt mir auf der Zunge. Heißt der nun Eggert oder Behrend oder doch Eggers ? Na wenigstens den Namen der pharmazeutisch technische Assistentin habe ich noch auf der Pfanne. Bei jüngeren Damen funktionieren die grauen Zellen besser. „Guten Tag, Frau Petersen!“ sage ich, aber auf den Namen des Chefs komme ich immer noch nicht! Man ist ja keine siebzig mehr!
Da kommt die Frau des Apothekers heraus. Klick sagt es bei ihrem Anblick. „Guten Morgen, Frau Eggert!“
Na also, ich kann mir doch noch Namen merken!
Ich erzähle ein lustiges Erlebnis mit unserem Hund. „Ja, das haben sie gestern schon berichtet!“
„Sie haben ihren Regenschirm vergessen!“ ruft es hinter mir her. „Man wird alt!“ sage ich und hinter dem Tresen lacht man herzlich über diesen köstlichen Witz. Sehr taktvolle Leute! Findet man heute selten!
Meine Kinder haben eine Alarmanlage. Die muss ich einschalten, wenn ich dort nach dem Rechten sehe.. Es ist ganz einfach. Wenn sie an ist, geht ein kleines grünes Licht aus. Kein Problem für mich. Erst nach hundert Metern kommen mir Zweifel: „Habe ich gesehen, dass das grüne Lämpchen ausging.“ Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern. Also gehe ich sicherheitshalber noch einmal zurück. Alles klar! Ich wusste doch, dass ich die Alarmanlage angeschaltet habe.
Wir sitzen im Omnibus und fahren ins Theater. „Hast du die Karten bereit?“ So was Dummes, aber auch:
„Ich bring Dich bis zur Komödie und lauf dann schnell die Karten holen.“ Anruf bei der Tochter: „Holt ihr mich bitte an der Wohnung ab. Theaterkarten vergessen!“ Hoffentlich halten die Kinder mich nicht für senil.. So etwas kann doch jedem passieren! Als ich zu Fuß ankomme, wartet der Schwiegersohn schon mit dem Mercedes. Keinerlei Anspielung auf meine grauen Zellen. Das tut richtig gut. Natürlich hat die Vorstellung angefangen. Man kann es meiner Frau ansehen, dass sie über Alois Alzheimer nachdenkt. Sie selbst ist über jede Vergesslichkeit erhaben. Mein Sündenregister aus 57 Ehejahren ist bei Bedarf immer präsent!
Drei Wochen später:
Wir stehen an der Bus-Haltestelle um in der Stadt etwas einzukaufen. Da wird mein Goldstück unruhig:
„Ich glaube ich habe den Herd noch auf drei stehen. Da ist alles angebrannt, wenn wir wiederkommen“. Wir kehren um. Tatsächlich! Der Herd steht auf Stufe drei! Eine Katastrophe, wenn meine Frau genau so vergesslich gewesen wäre, wie ich. Aber das ist kein Wunder. Sie ist ja ein ganzes Jahr jünger als ich !
Endlich erhalte ich den Beweis, dass kleine Vergesslichkeiten absolut nichts mit dem Alter zu tun haben:

Mein Sohn, ein Energiebündel und in den besten Jahren, kommt von einem Ausflug mit Fahrrädern zurück. Sie sind sauber auf dem Dach des Mercedes montiert. Entspannt legt er sich im Sitz zurück, als sich zu Hause das Garagentor öffnet. Und dann gibt er Gas............................................ „Knirrrrsch!“
Und da regt meine Frau sich darüber auf, wenn ich mal einen Reißverschluss offen habe!


Moderne Kunst
Es ist selten, dass sich der Senior noch in ein Museum verirrt. Einen Ausflug zur Eremitage nach St. Petersburg oder zum Louvre nach Paris kann er sich nicht leisten. Oder er kann es sich zwar leisten, will aber nicht im Gedränge mit den Leuten, die es sich eigentlich nicht leisten können, durch die Säle gehetzt werden, ohne etwas von den Bildern zu sehen, die er schön fände. Was dort zu sehen wäre, entspricht seinem Geschmack und seinem Bedürfnis, zu erkennen, was der Künstler mit seinem Bild sagen möchte. Dass die Leda sich von Zeus in Gestalt eines Schwanes vernaschen lässt zum Beispiel, oder dass die Mona Lisa über die spätere Kunst lächelt.
Zur modernen Kunst hat der nicht vermögende Senior ein gestörtes Verhältnis. Nicht das ihm dazu das Unwort einfiele, mit dem kürzlich ein Bischof Furore machte. Nein, es gibt keine artgerechte Haltung gegenüber der Kunst. Sie soll auch in Gottes Namen frei bleiben, solange man uns Senioren nicht zu der Heuchelei zwingt, Schwachsinn ernst nehmen zu wollen. Ich spreche nicht von der blauen Periode eines Picasso aber bei seinen späteren Bildern drängt sich mir, wie z.B. auch Kishon (Vgl. Ephraim Kishon, Picassos süße Rache, München Berlin 1995), der schnöde Verdacht auf, dass der Meister sich darüber lustig macht, was man für seine üblen Scherze mit der Schickeria für Preise erzielen kann.
Ich weiß nicht wo ich die Geschichte von der Putzfrau gelesen habe, die in einem Museum eine schmutzige Badewanne gesäubert hat. Es war ein Kunstwerk von Joseph Beuys, das so für die Nachwelt unwiederbringlich verloren ging. Es sei denn man entdeckte so ein verdrecktes Exemplar auf der Müllkippe und ließe es von Beuys signieren.
Kishon beschreibt eine Ausstellung des berühmten amerikanischen Künstlers Bernhard Höke, auf der unter anderem ein leeres Stück Wand zwischen zwei Bildern im Katalog als Kunstwerk bezeichnet wurde und als „Zwischenräume zwischen den Bildern“ breite Zustimmung fand. (Vgl. Ephraim Kishon, a.a.O. S. 17)


Zwischenraum (Bernhard Höke 1987)
Es ist ein köstliches Vergnügen in Katalogen moderner Künstler nachzulesen, mit welch blumiger Sprache die Experten moderne Machwerke anpreisen:
„Es fasziniert immer wieder, mit welcher Aussagekraft der Meister das Gefühl auf die Leinwand bringt, nichts zu sagen zu haben.“ Das steht im Katalog neben einer eintönigen Fläche in hellgrün mit einem geschlossenen roten Mund in der Ecke links unten. Die Fachbezeichnung „Geometrisierendes somnabulisches Vorbewusstsein der exotisch glutvollen Erosionen von luminösen, fötalen sich annähernden Zerstörungskoeffizienten“ beschreibt zutreffend das Kunstobjekt: Ein aufgeblasenes Kondom ! Toll, was? (Kishon, a.a.O. S. 66)
Da geht doch dem Sammler glatt das Portemonnaie in der Tasche auf.
Wen juckt es im Museum nicht, sich einmal auf das Werk „Fettstuhl“ von Joseph Beuys zu setzen. Das Werk ist übrigens mit schwerer Kette und eigener Alarmanlage geschützt, damit es keiner klauen kann. Wir Späthominiden sind richtig scharf auf solche Beute. 1946 hätte der Meister allein für das Material den unerschwinglichen Gegenwert von 50 Stangen Lucky Strike hinblättern müssen. Damals wäre uns dieses Werk erspart geblieben.
Der Hammer allerdings ist das Angebot in einem Katalog eine Lizenz von einem modernen Aktionskünstler für den Spottpreis von 10.000 $ zu erwerben, die einen berechtigt, ein in der Größe genau vorgegebenes Loch in den eigenen Perserteppich zu schneiden.
Viele betuchte Senioren machen diesen Unsinn mit. Weil sie mit ihrem Geld nichts Nützliches anzufangen wissen, kaufen sie abstrakte Kunst und hoffen, dass sie einen Dummen finden, dem sie ihre Werke auf Auktionen mit Gewinn andrehen können. Andere hängen sich die Wände damit voll, was aber nur Sinn macht, wenn man mit kleinen Preisschildern darauf aufmerksam macht, wie teuer die Schinken waren.
Und die Kunstmaffia lebt von solchen Zeitgenossen beachtlich gut. Fast alle machen mit bei dem bösen Spiel, weil man nicht von Kennern höhnisch belächelt werden will, wenn man zugeben würden, von dieser Art Kunst nichts zu verstehen.