Achtung - schwarzer Humor! Nicht für jeden geeignet....
Hunderte von Jahren hatten Balten als Ordensritter, Kaufleute, Handwerker und Gutsbesitzer in ihrer schönen Heimat zu leben aber auch zu sterben verstanden. Pest, Krieg und Brand ließen sie auf vertrautem Fuß mit dem Tod stehen. Man hing nicht so schrecklich am Leben und konnte auch über makabre Scherze lachen. Zielscheibe des Humors der gebildeten Bürger waren dabei die erfundenen Barone Firks und Korff, die natürlich mit den sehr ehrenwerten Geschlechtern dieses Namens nichts zu tun haben.
Hier nun ein paar Kostproben des Humors meiner Landsleute aus Estland und Lettland.
Baltische Barone
Nach der Umsiedlung 1939 wurden wir in einer Durchgangsschule beschäftigt, bis Ordnung in das Durcheinander von baltischen, volksdeutschen und „reichsdeutschen“ Lehrplänen gebracht war. Besonders beliebt bei den Lehrern war es, uns Aufsätze schreiben zu lassen.
Einen solchen Schulaufsatz begann mein Klassenkamerad, Baron von Buxövden mit folgenden Zeilen:
„Thema: Die Balten
Vor siebenhundert Jahren zogen meine Vorfahren gen Osten, um die baltischen Provinzen Estland, Livland und Curland zu germanisieren. Vorigen Freitag kehrten wir unverrichteter Dinge wieder zurück..........“
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Firks und Korff begegnen sich 1945 im abgebrannten und ausgebombten Hamburg nach verlorenem Krieg und überstandener Vertreibung, „Na, Firks, mein Lieberchen, wie jeht es Dir so in der neuen Heimat?“ „Weißt Du, Korff, eijentlich jeht es mir schlecht hier!“ „Nu, woi, warum so unbescheiden? Du hast einen warmen Mantel an, siehst ganz wohljenährt und jesund aus - warum beschwerst du dich? Wir haben unsere Güter verloren, da muss man doch zufrieden sein, wenn man hier Arbeit und Brot hat!“ „Aber das ist ja jerade das Problem, mein Lieberchen. Nicht, dass ich was jejen Arbeit habe, aber ich muss hier arbeiten für Jeld! Stell dir das vor: Arbeiten für Jeld, da kommt man sich doch vor wie eine P r o s t i t u i e r t e !“
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Der Baron Korff wurde vor vielen Jahrzehnten einmal von seinem Freunde Firks gefragt, ob er zu Weltausstellung nach Chicago zu fahren beabsichtige.„Nein, mein Lieberchen. Erstens kann man nicht mit eijene Pferde hinkommen. Dann spreche ich auch kein amerikanisch. Und schließlich habe ich jehört, dass der Kaiser von Amerika kein Freund vom Adel sein soll! Als Baron Korff einmal gefragt wurde, wie groß denn sein Gut wirklich sei, wusste er das nicht so genau. „Nu so etwas über zehntausend Morjen werden es wohl sein. Aber wie mir meine Leute immer sagen, ist alles S u m p f !
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Firks und Korff machen eine Reise nach Italien. In Rom stehen sie beeindruckt vor dem Kolosseum, wo Firks brummig feststellt, dass hier eine Renovierung wohl ebenso nötig sei, wie bei seiner alten Scheune in Estland. In der Sixtinischen Kapelle schweigen sie in ergriffenem Staunen. Schließlich besuchen sie noch den Petersdom , und da findet Firks endlich wieder Worte: „Herr Gott, muss hier viel Heu reinjehen!“
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Die gleiche Reise führte die beiden Landwirte dann auch noch nach Athen. Auf der Akropolis angekommen, schlenderten sie durch die herumliegenden Marmorblöcke, den Blick auf den rötlichen Staub gerichtet, der das Gelände um die Ruinen in weitem Umkreis bedeckt. Als sie sich zum Abstieg wenden, bemerkt der Baron Firks:„Schlechter Boden, mein Lieberchen, sehr schlechter Boden!“
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Sagt der Baron Firks nach einem Spaziergang durch seine Wälder zu seinem Freunde Korff: „Die Leute werden doch immer frecher! Als ich neulich ein Bäuerchen in meinem Wald erwische, wie er gutes Birkenholz von einem Stapel klaut, sagt er mir doch glatt ins Jesicht, ich könne ihn am Arsch lecken !“ „Na , und was hast Du jemacht?“ „Ich bin der Aufforderung nicht nachjekommen!“
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Als die Balten 1945 als Flüchtlinge in Westdeutschland verarmt in Notquartieren überwinterten, ging ein Baron mit etwas Familienschmuck auf den Schwarzen Markt , um etwas einzutauschen. Er war auf diesem Gebiet völlig unbedarft. So kam es, dass alles, was er besorgen konnte, ein paar Holzlöffel waren: Die Baronin kanzelte ihn mit den Worten ab: "Bist du noch zu retten ? Wir haben noch nicht mal eine Flasche Schnaps im Haus, und Du kaufst schon M ö b e l !"
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Im Testament eines verstorbenen Gutsbesitzers stand, dass jeder seiner Söhne 10.000 Mark von seinem Erbteil in den Sarg legen sollte. Der älteste Sohn, ein Jurist, tat wie gewünscht und sagte nur:" Testament ist Testament." Der zweite Sohn war Geistlicher. Er tat es kopfschüttelnd und betete: "Herr, vergib ihm seinen Unglauben!" Dann trat der jüngste Bruder an den Sarg, der Gutsherr und Hoferbe werden sollte. Wortlos schrieb er einen Verrechnungsscheck über 30.000 Mark aus , legte ihn in den Sarg und entnahm das Bargeld seiner Brüder.
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Das Götz-Zitat
Die Barone Firks und Korff waren keine großen Freunde der klassischen Literatur. Immerhin gab es ein Zitat von Goethe, das auch baltische Gutsbesitzer kannten und dem großen Dichter zuzuordnen wussten. Bei einer Reise nach Deutschland standen Firks und Korff bewundernd vor einem Goethe-Denkmal in Weimar. Kopfschütteln stellte schließlich der Baron Korff fest: „Ist doch erstaunlich, mein Lieberchen! So ein gewaltiges Denkmal wegen der v i e r W o r t e !“("Lecke er mich am A...")
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Baron Firks erzählte gerne folgendes Erlebnis aus der Nachkriegszeit, wo ihn vor einem Schillerdenkmal ein Amerikaner gefragt habe, wer dieser bedeutende Mann wohl sei. Er habe wahrheitsgemäß geantwortet: „Das ist unser großer Dichter Schiller!“ Begeistert habe der Amerikaner daraufhin genickt: „Oh, I know him! Aber wissen sie, wir in Amerika nennen ihn Goethe! Eine kleine Nachtmusik! Ta ta ta taaa !“
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Der Baron Firks war kein besonders fleißiger Kirchgänger. Das Gotteshaus war immerhin 12 Werst entfernt und die Fahrzeit stand in keinem Verhältnis zu der erwarteten Erbauung. Aber einmal schaffte es seine gute Frau dann doch, ihn zum Gottesdienstbesuch zu bewegen. Mürrisch kehrte der Gutsbesitzer aus der Kirche zurück. „Wie war es denn, worüber hat der Pastor gepredigt?“ wollte die Frau wissen. „Über die Sünde!“ „Na erzähl doch ein bisschen, was hat er dazu gesagt?“ „Er war dagegen!“
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In Estland gab es nur zwei Bahnlinien. Eine führte von Reval über Narva nach St.Petersburg, die andere zweigte am Knotenpunkt „Taps“ über Dorpat, und Riga nach Süden ab. Der Pastor in Narva hatte eine Einladung zum Konzil nach Rom bekommen, was ein sehr aufregendes Ereignis war. Aus Anlass der Abreise fand ein festlicher Abend statt. Eine Dame der Gesellschaft fragte interessiert: „Herr, Pastor, fahren sie direkt nach Rom?“ „Nein, meine gnädigste Baronin. In Taps muss ich umsteigen!“
Baltische Trinksitten
Meine Landsleute hatten eine besondere Vorliebe für kalten Schnaps. Wodka wurde bei allen festlichen Gelegenheiten „zur Verseifung der Fette“ gereicht. Dazu gab es eine Sakuska, die als Gabelbissen in den vom Schnäpschen desinfizierten Mund nach geschoben wurde. In Russland nannte man diese Art, Wodka zu genießen, auch „Kultura“. Auf Banausen, die Schnaps ohne Sakuska oder sogar zu Bier tranken, blickte man mit Verachtung herab. Die Barone Firks und Korff vertrugen auf dieser Grundlage angeblich bis zu vierzig kleine Gläschen Wodka, die man auf estnisch pitsud nannte, Auf diese Zahl angesprochen, pflegte der Baron Korff allerdings immer zu sagen: „Ich kann mich nicht e r i n n e r n , jemals mehr als zwanzig Schnäpse jetrunken zu haben.
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Die Balten teilten das Schicksal der Vertreibung mit Ostpreußen, Schlesiern und Sudentendeutschen gelassen! Man hatte ja schon Erfahrung mit einer Umsiedlung 1939. Allerdings setzten einige Familien die Prioritäten etwas anders beim Neubeginn in den Westzonen. Eine baltische Familie kaufte z.B. von Ihrer Soforthilfe aus dem Lastenausgleich lieber zuerst einen Kühlschrank als andere Möbelstücke. „Nu welcher Besuch jeht bei uns ins Schlafzimmer, um festzustellen, ob wir noch auf Strohsäcken schlafen müssen. Aber einem Gast warmen Schnaps einschenken müssen - no pfuich!“
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Natürlich wurde im Baltikum auch von der Kanzel herab kräftig gegen Sünde und Alkohol gewettert. Tief beeindruckt von den Worten eines Geistlichen , den er gerade beim Gottesdienst über den Teufel und das Saufen hatte predigen hören, bestellte sich ein Sommerfrischler im Krug eine Tasse Tee.
Zu seinem größten Erstaunen erlebt aber der Fremde, dass bald danach besagter Pastor erschien und sich einen Wodka und dazu einen sauren Hering bestellte. Nach dem dritten Schnaps sprach der Feriengast den Pastor auf den morgendlichen Durst des Geistlichen an, der zu der Predigt so sehr im Widerspruch zu stehen schien. „Sagen Sie, Herr Pastor! Sie haben doch gerade so eindrucksvoll gegen den verteufelten Wodka jepredigt - und nun sehe ich, dass sie schon am frühen Tag selber ein paar Gläschen genießen. Wie soll ich mir das erklären?“ „Wissen sie, junger Freund, wenn sie heute morgen so einen Kater gehabt hätten, wie ich, dann hätten Sie auch auf den Alkohol jeschimpft!“
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Der junge Herr Baron hat sich fürchterlich betrunken. Aber er erreicht trotz schwerem Seegang das Schlafzimmer. Als er sich auszieht, beginnt das Zimmer zu kreisen. Gefasst wartet der Baron, bis das Bett vorbei kommt und wälzt sich hinein. Die Mutter des jungen Herren hört das Elend und klingelt vorsorglich nach dem Diener. „Johann, bringen sie dem jungen Herrn ein Nachtgeschirr!“ Als dieser mit dem gewünschten Gefäß erscheint, verbessert sich die am Bett ihres Sohnes besorgt wartende Baronin: „Bringen sie bitte ein frisches Nachthemd, Johann“ Der junge Herr hat umdisponiert !“
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Es gehörte viel Geduld und Nachsicht dazu, die jungen Herrn Barone zu erziehen. Wenn die Herren auf der Fuchsenflucht von Dorpat kommend, die Gutshäuser bereisten und überall die angebotene Gastfreundschaft reichlich in Anspruch nahmen, konnte das Saal genannte Wohnzimmer am kommenden Morgen in einem unbeschreiblichen Zustand vorgefunden werden. Aus so einem Anlass ist die Ansprache einer Baronin an die verkaterten reuigen Sünder überliefert:
„Kinderchen, dass Ihr jestern die Büste von Onkel Friedrich kaputtjeschmissen habt, ist eigentlich eher ein Segen. Die stand immer so herum und verstaubte. Dass Ihr die Gläser an die Wand jeschmissen habt, ist verzeihlich. Wodka macht zum Glück ja keine Flecken auf der Tapete. Mein Gottchen ! Ihr ward ja so besoffen, dass ihr den Kanarienvogel mit dem Korkenzieher an die Wand geschraubt habt. Nur wenn ihr jetzt behauptet, der hing immer schon dort oben - das jeht zu weit!“
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Anlässlich einer Reise nach Berlin hatte ein Gutsbesitzer Landsleute besucht und deren Kummer über die verlorene Heimat reichlich mit begossen. Als er sein Hotelzimmer erreichte, kam Seegang auf. Das Zimmer drehte sich und entschlossen ließ der Baron sich auf die Kissen fallen, als das Bett vorbei kam. Aber es half nichts. Dem Ärmsten wurde jetzt auch noch fürchterlich übel. Ein Griff ins Nachtschränkchen enttäuschte zutiefst. Das gewohnte Nachtgeschirr fehlte! Nur ein Sprung ans offene Fenster half noch. Unten traf der Strahl einen späten Passanten der empört nach oben rief: „Was ist denn das?“ Bleich aber gefasst gab der Hotelgast Auskunft: „Erdbeerbowle, mein Lieberchen! Erdbeerbowle! Aber sagen sie mal, wie kommen Sie eijentlich in mein Nachtgeschirr?“
Jagdgeschichten
Nach einer Jagd, zu der Baron Korff geladen hatte, kam Firks mit etwas besorgtem Gesicht zum Gastgeber. „Sag mal, sind Deine Gäste alle von der Jagd zurück?“ „Nu schau Dich doch um ! Alles ist wieder da und nimmt sein Schnäpschen mit Sakuska!“ „Und irgendwelche Treiber sind nicht auf der Strecke jeblieben?“ „Aber ich bitte Dich, auch alle Treiber sind vollzählig von der Jagd zurück!“ „Donnerwetter! Dann muss ich doch tatsächlich einen Bären geschossen haben!!!“
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Baron Korff ist auf einem Spaziergang durch seine Wälder. Gegen seine Gewohnheit trägt er kein Jagdgewehr sondern ist nur mit einem kräftigen Spazierstock bewaffnet. „Das reicht jejen Jesindel“ meint er, als er das Gutshaus verlässt. Plötzlich steht er einem Zähne fletschenden Wolf gegenüber. Der Baron behält die Nerven und legt den Spazierstock wie ein Gewehr an. Die Bestie stutzt. In diesem Augenblick drückt zum Glück ein Buschwächter ab, der die Fährte des Raubtiers zufällig verfolgte.
Kopfschüttelnd betrachtet Korff seine Waffe: „Jetzt trag ich den Knüppel 15 Jahre und wusste nicht, dass er jeladen war!“
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Vor einer Treibjagd bleibt der Baron Korff bei einem Bäuerchen stehen, dessen Gesicht ihm bekannt vorkommt. Leutselig fragt er den Treiber: „Na mein Lieberchen, wir kennen uns doch. Habe ich sie nicht schon mal getroffen ?“ „Sehr wohl, Herr Baron. Das war vor zwei Jahren, wenn Euer Wohljeboren sich gütigst erinnern wollen: Am Hintern, Herr Baron, mit Hasenschrot!“
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Als Firks und Korff schon sehr alt waren, besuchte man sich anläßlich einer Treibjagd. Korff war schon sehr senil und zitterig, so dass sein Freund Firks sich Sorgen machte, er könne sich auf der Jagd blamieren. Man ging deshalb für eine kleine Schießübung in den Wald. „Also pass mal auf, Lieberchen! Du setzt dich jetzt hier oben auf den Hochsitz, legst das Jewehr auf die Brüstung und zielst sauber drüben auf den Kiefernstamm. Dahin musst du nämlich vorhalten, wenn der Elch hier rechts durch die Büsche bricht!“ „Nu, ich bin doch nicht blöd!“ „Nein, nein, aber wir sollten das noch einmal üben. Also passe auf: Ich jeh jetzt auf den Wildwechsel und bewege die Zweige .Und du hältst auf die Kiefer vor. Vorhalten, hast du das begriffen?“ Der Gastgeber stellt sich also in den Busch und bewegt kräftig ein paar Zweige. Der Schuss fällt .... und Firks wälzt sich in seinem Blute!
Auf dem Hochsitz aber schwenkt Korff triumphierend seine Flinte und ruft herunter: „Und ich hab doch nicht vorjehalten!“
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Natürlich waren die Barone auch Meister des Jägerlateins.
Baron von Stackelberg hatte einen alten Diener, der ihn auf der Jagd begleitete. Der mußte dann die unglaublichsten Geschichten immer als Zeuge bestätigen. „Also meine Herren, da treff ich doch neulich mit einem einzigen Schuss einen kapitalen Bock in den linken Hinterlauf und in den Kopf. Juhann! Kannst du das bestätigen oder nicht?“ „Natürlich, Herr Baron! Der Bock kratzte sich gerade mit dem Hinterlauf am Ohr!“ Ergriffenes Staunen in der Runde der Zuhörer. Am Abend sind Herr und Diener wieder allein und Juhann räuspert sich, bevor er bittet: „Wenn euer Wohlgeboren bitte nächstens etwas weniger weit auseinander lügen möchten. Ich krieg sonst nicht mehr zusammen!“
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Nach einer Treibjagd lag die Strecke ausgerichtet am Waldrand. Während das Waldhorn das Signal „Hirsch tot“ blies, lagen die Beutestücke in schöner Folge am Boden, zuerst die Rehböcke, danach die Wildsauen, Hasen und Fasanen. Dahinter hatte man auf zwei Tragbaren die beiden Treiber placiert, die bei der Jagd etwas Schrot abbekommen hatten. Da kommt der alte Baron Korff aus dem Wald, besieht sich die Strecke und bleibt kopfschüttelnd vor den beiden Tragbaren stehen: „Mein Gott, wenn ich gewusst hätte, dass heute Treiber auch frei waren! Mir sind ein paar so schön gekommen!“
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Einmal machten sich unsere beiden Barone auch zu einer Safari nach Afrika auf den Weg. Firks hatte bei einem Großwildjäger ausgestopfte Löwenköpfe an der Wand hängen sehen und fand das dekorativer als immer nur Geweihe. Deshalb wurde eine Löwenjagd geplant und man machte sich auf die beschwerliche weite Reise. In Ostafrika angekommen, lassen die beiden sich von einem Jagdaufseher ein Revier zeigen, wo es reichlich Löwen gibt. Es wird ein Zelt aufgeschlagen. Während Korff erst einmal sein Mittagsschläfchen hält, geht Firks schon mal in den Busch, um sich nach Beute umzusehen. Plötzlich steht ein gewaltiger Löwe brüllend vor dem Jäger. Der drückt zweimal ab und schießt vorbei. Entsetzt flüchtet der Baron in Richtung auf das Zelt. Als der Löwe zum Sprung ansetzt, stolpert der unglückliche Jäger so, dass die Bestie über ihn weg genau in das Zelt hineinspringt. Mit baltischer Gelassenheit ruft Firks seinem Jagdfreund im Zelt zu: „Zieh ihm schon mal das Fell ab, Korff, ich hol den nächsten!“
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Baron Korff hatte auf der Insel Runö estnischen Fischern bei der Robbenjagd zugesehen. Seither war er ganz versessen darauf, auch einmal einen Seehund zu schießen. Allerdings war kaum damit zu rechnen, dass sich einmal ein Seehund in den kleinen Teich hinter dem Gutshaus verirren würde. Ungeachtet dessen beobachtete der alternde Baron aber jeden Morgen die Wasseroberfläche, um vielleicht doch noch einmal eine Robbe vor die Flinte zu bekommen. Und tatsächlich: Eines Tages ist im ersten Dämmerlicht des Morgens mitten im Dorfteich unverkennbar der Kopf eines Seehunds zu sehen. Korff traut seinen Augen nicht, aber er greift zum Gewehr und stürzt zum Teich hinunter. Als er näher kommt, sieht er sich bestätigt. Ein runder Kopf mit kurzem glatten Fell, zwei dunkle Augen und unter der Stupsnase ein mächtiger Schnurrbart! Aufgeregt legt Korff an. Da ertönt aus dem Teich eine laute Männerstimme: „Um Gottes Willen, nicht schießen Herr Baron, ich bin der Verwalter!“ Aber Korff läßt sich nicht dadurch beirren. „Das kann jeder Seehund sagen!“ Der Verwalter taucht im letzten Augenblick weg, bevor der Schuß fällt. Unter Wasser erreicht er das rettende Schilf am Ufer. Aber da Seehunde ja bei Gefahr weg zu tauchen pflegen, fühlt sich Korff in der Annahme bestätigt, eine Robbe nur knapp verfehlt zu haben.
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Ein baltischer Baron, früher selbst Jagdherr auf einem großen Gut, ist in Westdeutschland bei einem reichen Fabrikbesitzer zur Jagd eingeladen. Nachdem die nicht sehr ergiebige Treibjagd beendet ist, prahlt der Gastgeber: „Wissen sie, Herr Baron, wenn ich das alles zusammenrechne, Pacht, Hege, Munition, Waffen und so weiter, dann kostet mich so ein Hase im Durchschnitt über hundert Mark!“ „Na dann ist es ja ganz gut, dass sie so oft vorbei schießen, mein Lieber!“
Baltische Geschichten ... mehr davon
Der Baron Korff hatte sich zur Aufbesserung seines Viehbestandes einen Zuchtbullen aus Ostpreußen besorgt. Nach dem langen Bahntransport und der abenteuerlichen Heimreise mit dem wilden Stier am Nasenring stand die Neuerwerbung endlich auf dem Gut im Viehstall. Der preisgekrönte Bulle führte den seltenen Namen Dante . Der Gutsherr brachte voll Stolz ein Schild mit Namen und Zuchtvermerken über der Krippe an. Kommt der Baron Firks vorbei und Korff führt ihn gleich zu seiner Neuerwerbung in den Stall. Aber Firks interessiert sich überhaupt nicht für das Tier. Seine Augen kleben am Namensschild. „Also mein Lieberchen, findest du es nicht jeschmacklos, einen Bullen Tante zu nennen? Bei einem Ochsen könnte man es ja noch verstehen. Übrigens: Man schreibt Tante mit T und nicht mit D am Anfang!“
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Baron Korff reist zum erstenmal durch Deutschland und benutzt einen zuschlagpflichtigen D-Zug. Im Baltikum gab es damals keine Schnellzüge. Korff hatte daher auch keinen Zuschlag gelöst. Als der Schaffner nach einem Zuschlag-Billett fragt, ist Korff erstaunt. „Was ist denn das?!“ „Dies ist ein Schnellzug und dafür müssen Sie Zuschlag bezahlen!“ „Sagen sie dem Lokomotivführer, er kann ruhig etwas langsamer fahren! Ich habe Zeit jenug!“
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Der junge Herr kommt spät von einer Studentenkneipe heim. Ihm ist furchtbar übel und er erleichtert sich auf dem Örtchen mit unverkennbaren Geräuschen von dem übermäßigen Bierkonsum. Besorgt fragt die Mutter ihren Gatten: „Unser Jungchen wird sich doch hoffentlich nicht den Magen verdorben haben?“ Meint der Vater: „Im Augenblick schont er noch seinen Anus!“
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Drei baltische Barone sitzen zusammen und streiten darüber, welches wohl die ältesten Geschlechter in Estland, Livland un Kurlang wären. Es waren sicherlich nicht die Barone Firks und Korff, über die man gerade deshalb spöttelte, weil sie Ihren Adelsstand Verdiensten am Zarenhof verdankten. Übrigens lange nach der Zeit Katharinas`II, womit zu vermuten ist, daß es keine Verdienste delikater Art gewesen sein müssen. „Wir haben Urkunden im Besitz, die nachweisen, dass unser Jeschlecht schon zur Zeit Wolter von Plettenbergs Besitztümer in Livland hatte!“ „Unsere Familiengeschichte lässt sich bis in die Zeit Karls des Großen zurückverfolgen!“ Da übertrumpft der dritte Baron: „Unser ganzen Urkunden sind leider bei der Sintflut nass und unleserlich jeworden!“
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Baron Korff sitzt mit seinem Freund, dem Rechtsanwalt von zur Mühlen beisammen. „Lieberchen ich muss dich heute um deinen Rat bitten, wenn es nichts kostet.“ „Aber ich bitte dich meine Honorare bei jewonnenen Prozessen hole ich mir doch immer bei der Jejenpartei!“ „Nein, weißt du, heute jeht es darum, meinen Neffen, diesen notorischen Spieler und Trunkenbold endlich zu enterben!“ „Nu woi, wo ist das Problem. Wir machen ein Testamentchen und mein Honorar wird erst bei Vollstreckung fällig!“ „Das Problem ist, ich kann den Jungen nicht enterben. Es ist nämlich nichts als Spielschulden nachgeblieben von meinen Liegenschaften!“
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Die Barone Firks und Korff waren zwar als Nachbarn im Prinzip gute Freunde. Aber wie das so unter Nachbarn ist. Ein Weg zwischen den beiden Besitztümern wird zum Zankapfel. Mehr aus Rechthaberei als im Zorn zieht man eines Tages in der Sache vor Gericht. Weihnachten steht vor der Tür und Firks bespricht seinen Standpunkt mit Rechtsanwalt von zur Mühlen. „Lieberchen, was halten sie denn davon, wenn wir vor der Verhandlung eine fette Weihnachtsgans zum Richter nach Hause schicken?“ „Um Gottes Willen! Dann haben sie den Prozeß mit Pauken und Trompeten verloren!“ Die Verhandlung ist kurz und straff geleitet. Mit strenger Miene verkündet der Richter das Urteil. Das Eigentumsrecht am Weg wird dem Baron Firks, zuerkannt. „Was für ein Glück, daß ich ihnen die Sache mit der Gans ausreden konnte. Was meinen sie, wie wir den Prozeß sonst verloren hätten!“ „Na, die Idee mit der Gans war aber doch hervorragend! Natürlich hat der Richter die Gans bekommen, allerding mit einem Zettel, wo drauf stand: Mit den besten Wünschen zum Weihnachtsfest, Ihr Baron Korff ! Na und hat der verloren ?“
Baltische Pastoren
Mein Vater, der Pastor Leonhard Brunowsky, pflegte sich zum größten Entsetzen seiner Frau vor der Predigt einen Kleinen zu genehmigen - obwohl er sonst dieser Sünde nur mäßig und in kleinen Mengen zugetan war. Die Ausrede, er könne so viel überzeugender predigen, ließ die Pastorin nicht gelten. Entwaffnend war dann seine - etwas freie - Berufung auf die Heilige Schrift, wenn er zitierte: „Einen fröhlichen Sünder hat Gott lieb!“
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Nach Umsiedlung und Vertreibung übernahm er eine Bauerngemeinde in Fechheim bei Coburg, die ihren Pastor heiß verehrte. Bei den Bibelstunden im Gasthof hatte jeder einen Maßkrug vor sich stehen. Wenn er zu seinen Bibelauslegungen „Prosit“ sagte, nützte das vermutlich mehr als manche Ermahnung von der Kanzel herab. Auch in Estland betreute mein Vater eine weit verzweigte Gemeinde von deutschen Bauernfamilien, die als „Kolonisten“ noch in unter den Zaren hier angesiedelt worden waren.
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Am Abend konnte er herrlich Anekdoten von seinen Amtsbrüdern erzählen und auch selbst Erlebtes berichten.
Da gab es die Geschichte von dem Dorfpastor, der nicht nur bei knarrendem Frost in Fausthandschuhen predigte. Befragt, ob es denn wirklich so kalt in der Kirche wäre, antwortete er: „Wissen sie, mein lieber Amtsbruder, diese Jewohnheit war mir einmal sehr hilfreich. Beim stillen Gebet vor der Predigt bemerkte ich mit Schweiß auf der Stirn, dass ich mein Manuskript in der Sakristei vergessen hatte. Also zog ich meine Hände sachte aus den Fausthandschuhen heraus und kroch auf allen Vieren die Treppe rückwärts hinab. Mit der Predigt ging es wieder hinauf in die Handschuhe. Kein Deiwel hat etwas jemerkt. Nur meine Frau fragte nachher, welche Sünden ich denn wohl zu beichten gehabt hätte, dass mein stilles Gebet so lange dauerte.“
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Treffen sich zwei Pastoren. Klagt der eine: „Ich habe einen furchtbaren Traum gehabt!“ „Ja was war das denn Schlimmes!“ „Ich träumte, dass ich auf der Kanzel stand und predigte!“ „Aber das ist doch kein schlimmer Traum! „Doch, mein Lieberchen, als ich aufwachte, stand ich auf der Kanzel!“
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Auf einem Konzil trafen sich ein baltischer Pastor und sein Amtsbruder von der kleinen katholischen Gemeinde. Bei ein guten Sakusken und den dazugehörigen Schnäpsen wurde man vertraulich. Schließlich rafft sich der katholische Pfarrer zu der Frage auf: „Lieber Bruder, einmal ganz ehrlich, zählen sie eigentlich beim stillen Gebet vor der Predigt auch immer bis dreißig?“ „Also ganz im Vertrauen, wenn ich nichts besonderes auf dem Herzen habe, dann zähle ich manchmal auch genau bis dreißig!“ "Interessant mein Lieberchen, so groß sind also die Übereinstimmungen im Glauben bei unseren beiden Konfessionen. Aber ist ihnen auch schon aufgefallen: Der Methodist, dieser Heuchler, der zählt beim stillen Gebet bis fünfzig!“
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Wahr ist die Geschichte von unserer Tante Mary. Sie nannte meinen Vater „Harro“. Als er ihr in der letzten Stunde seine geistlichen Beistand leistete, schaute sie kopfschüttelnd zu ihm auf und meinte: „Weißt du, Harrochen, das ist doch seltsam. Da preisen die Pastoren nun in den höchsten Tönen die himmlischen Jefilde - aber wenn es darauf ankommt: Kein Deiwel will rein!“
Sprach`s und verschied in Frieden.
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Bei einer Beerdigung schildert der Pastor die himmlische Herrlichkeit mit beredter Stimme. Die in der ersten Reihe sitzende Witwe fängt dabei an, immer heftiger zu schluchzen. Nach der Predigt versucht der Geistliche sie vergeblich zu tröste, aber sie wimmert nur zum Erbarmen immer aufs neue: „An den Wänden muss er sich herumdricken! An den Wänden.....“ „Aber gute Frau, warum glauben sie denn so etwas. Im Himmel sind doch alle Menschen gleich!“ „Das stimmt schon, Herr Pastor, aber wir haben jedacht, was braucht er da oben seinen guten Anzug, wo der Sohn doch wird hineinwachsen. Und da haben wir ihm seinen alten Frack umgekehrt anjezogen und ihn so in den Sarg gelegt. Und nun muss er sich herumdricken an den Wänden...!“
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Aber nun zurück zu unseren Gutsherren, die natürlich auch mit ihren Geistlichen auf gutem Fuße standen. Wenn sie nicht, wie der Baron Recke, auf Abwege gerieten! Der Pastor pflegte solches Verhalten so zu formulieren : „Dem Suff, dem Spiel und dem Umgang mit Damen „zweifelhaften Geschlechts“ verfallen sein“. Eines Tages griff der Pastor zum letzten Mittel : „Recke, wenn du so weitermachst, werde ich dich am nächsten Sonntag öffentlich von der Kanzel herab als Sünder brandmarken!“ Der Baron soff, spielte und genoss das Leben weiter in vollen Zügen. Dies und die Drohung des Geistlichen sprachen sich herum wie ein Lauffeuer. Die Kirche war brechend voll. Auf der ersten Bank saß erwartungsvoll schmunzelnd der abzukanzelnde Baron. Die Gläubigen fieberten der Predigt entgegen. Man war gespannt, ob der Pastor es wagen würde, einen Adeligen öffentlich der Sünde zu zeihen. Dann herrschte Totenstille. Man hörte nur das leise Knarren der alten Treppe zur Kanzel. Wie das jüngste Gericht in Person stand die gewaltige Figur des Predigers hoch über seinem Sünder. Den Blick fest in die Augen des Barons gesenkt ertönte dann seine donnernde Stimme: „Recke, du Sünder!“ hallte es wie Blitz und Donner durch die Kirche. Nicht genug. Ein zweites Mal setzte der Pastor an: Recke, du Sünder!“ Und jetzt erhob der Prediger beschwörend seine geöffneten Arme nach oben und vollendete den Beginn seiner Predigt: „Recke, du Sünder, deine Arme zum Himmel empor“!
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Nachts um halb zwölf läutet es in Werro beim einzigen Doktor im Städtchen Sturm. Als der Arzt öffnet steht draußen der Baron Firks und fragt: „Was kostet es wenn sie jetzt auf unser Gut zu einem Kranken kommen?“ "Nun, bei dem Wetter kann ich nicht unter drei Rubel anspannen lassen.“ Der Baron stimmt zu und nach 6 Werst fahren sie beim Herrenhaus vor. Der Arzt nimmt sein Köfferchen aus dem Wagen und fragt nach dem Kranken. „Es gibt keinen Kranken, aber nicht ein Kutscher in ganz Werro wollte bei diesem Sauwetter unter 5 Rubelchen fahren!“
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Es gab Gutsherren, die nur wenige Gebete beherrschten, die für jede Gelegenheit passten, So wird von zwei Baronen berichtet, die bei einer Schlittenfahrt über den Peipussee plötzlich vom Eisgang überrascht wurden und sich unversehens in kritischer Lage auf einer treibenden großen Scholle befanden. „Meinst du nicht, Lieberchen, wir sollten in dieser Situation ein passendes Gebet sprechen?“ „Gewiss, aber mir fällt nur ein Tischgebet ein!“ „Egal was, Hauptsache ein Gebet!“ „Also gut: Komm Herr Jesus, sei unser Gast! Und segne was du uns bescheret hast!“ Und dieses Gebet half. Mit dem Herren an Bord der Eisscholle erreichte das Gefährt unversehrt das rettende Ufer.
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Die Wölfe im Baltenwitz
Gut erfunden sind alle Geschichten im Zusammenhang mit Wölfen, die es zu der Zeit unserer Barone noch reichlich in den großen Wäldern des Baltikums gab.
Da fuhren also der Probst Schwarz aus Pölve und ein Baron tief in Pelzdecken eingepackt mit einer Troika durch den winterlichen Wald. Vertieft in philosophische Gespräche überhörten man zunächst das langsam näher kommende Jiffen und Heulen eines Wolfrudels auf der Spur des Schlittens. Erst als die Pferde immer unruhiger wurden und schließlich rechts und links die ersten grauen Schatten vorbeihuschten, fragte der Baron gelassen seinen Geistlichen: „Mein Lieber, meinst du nicht, dass es langsam Zeit für dich wird, deines Amtes zu walten?“ „Wie soll ich das verstehen ?“ „Nu weißt du, ich fände es einen sehr geeigneten Augenblick zum Beten!“ „Ja glaubst du wirklich? Ich bin nicht sicher, dass es viel helfen wird - aber man kann es ja probieren.“
Der Probst faltet die Hände und fleht zum Himmel: „Herr Gott! Gib doch diesen Geschöpfen ein christliches Gewissen !“
Auf wundersame Weise ging dieses letzte Gebet des Propstes in Erfüllung. Die Pferde blieben zitternd stehen. Die Wölfe hörten auf zu heulen und bildeten einen großen Kreis um das Gespann. Dann erhob sich der Leitwolf, faltete die Pfoten und alle Bestien folgten seinem frommen Beispiel. Dann ertönte der Chor der Wölfe durch die stille Winternacht:
„Komm Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast! Amen!“
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Kommt der junge Baron aufgeregt nach Hause und berichtet atemlos: „Vater, Vater ! Tausend Wölfe habe ich gesehen!“ „Aber Jungchen, im ganzen Baltikum gibt es nicht so viele !“ „Na aber hundert waren es bestimmt!“ „Lass ab, du Aufschneider! Auch soviel Wölfe gibt es niemals auf einem Haufen !“ „Väterchen, ich hab sie ja nicht gezählt - aber es hat doch so geraschelt!“
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Tragische Augen bekam der Baron Korff, wenn er von seiner großen Liebe erzählte: „Viele Frauen habe ich gekannt. In Paris haben sie mich verwöhnt, in Monte Carlo haben sie mich um ein Vermögen gebracht, aber die wirklich große Seele habe ich in Russland gefunden. Nadja, die Frau meines Lebens! Mein Gott war das ein Weib! Sie hatte meergrüne Augen, kirschrote Lippen und einen Alabasterbusen. Es war tragisch, wie ich sie verlor!“ Aber bitte berichten sie doch, Herr Baron!“ „Ja meine Herren, stellen sie sich eine unbeschreiblich schöne Winternacht vor. Wir fuhren in einer Troika durch die unendlichen Wälder. Der Schnee knirscht, die Pferde dampfen. Sternklarer Himmel über uns und neben mir in Bärenfelle eingepackt Nadja, die Frau meines Lebens. Sie hatte meergrüne Augen, kirschrote Lippen und einen Alabasterbusen! Da ertönt hinter uns Wolfgeheul. Ich brülle den Kutscher an, er soll den Pferden die Peitsche geben! Wir jagen immer schneller. Die verschneiten Tannen huschen schemenhaft an uns vorbei. Und in meinen Armen zittert Nadja, die Frau meines Lebens. Ein unbeschreibliches Weib. Meergrüne Augen, kirschrote Lippen und ein Alabasterbusen!
Aber das Schicksal hatte sich gegen uns verschworen. Der Kutscher ruft mir zu: Herr Baron, die Wölfe sind da! Einer von uns muss sich opfern, oder wir sind alle verloren! Da schaute ich ein letztes Mal auf Nadja, die Frau meines Lebens, in ihre meergrünen Augen, auf ihre Kirschroten Lippen!
Herr Gott, was hat das Weib dann jebrüllt!“
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Makabere Geschichten
Der junge Baron Firks kommt mit saurer Miene von einem Morgenritt über seine Liegenschaften zurück. „Haben der junge Herr Ärger gehabt“, fragt ihn besorgt der Verwalter. „Na das kann man wohl sagen. Stellen sie sich vor, wie ich so über Wiesen und Felder reite, seh` ich doch morjens um fünf einen Mensch an meinem Horizont. Ich reite mit dem Gewehr in der Hand auf ihn zu. Da läuft der Kerl doch einfach weg . Natürlich habe ich ihn mit dem ersten Schuss gleich getroffen. Aber wie ich die Leiche umdrehe, war es doch mein eigener Vetter. Wissen sie, ich mag es der Tante gar nicht sagen. Die hat so eigene Ansichten!“
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Baron Korff unterhält sich mit seinem Freunde Firks über seine Eindrücke auf einer langen Reise mit der transsibirischen Eisenbahn. „Vierzehn Tage hin und vierzehn Tage zurück immer durch Steppen und die Taiga. Ein Wunderwerk diese Bahnstrecke!“ „Nu hast du wenigstens ein paar Abenteuer mit Kalmücken oder Verbannten jehabt?“ „Nein mein Lieberchen ! Seit 1905 ist auch dort alles ruhig. Die einzige kleine Abwechslung war es, jelegentlich im Vorbeifahren aus dem Fenster auf ein Bahnwärterchen zu schießen. Aber die Schienen sind so schlecht verlegt, dass ich bei den Erschütterungen einfach nicht treffen konnte.
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Die Sterbehilfe
Im Jahr 1923 gab es Balten, die ins Deutsche Reich ausgewandert waren und dort in der Inflationszeit bitterliche Not litten. Andere waren in der Heimat geblieben und dort in eine Bodenreform geraten. Sie hatten zwar 90 % ihrer Ländereien an Neusiedler abtreten müssen, die Gutsgebäude und Stallungen aber behalten. Diesen Gutsbesitzern ging es relativ gut, vor allem wenn sie selber als Bauern auf ihren Feldern wirtschafteten.In dieser Zeit besuchte der Baron Firks seinen Freund Korff auf dessen Restgut in Estland. Drei Monate lang schnorrte der Gast sich auf dem Gut durch. Dann kommt der lange aufgeschobene Abschied. Deprimiert klagt Firks: „Also ich habe einen großen Fehler gemacht, als ich mein Gut aufgab um auszuwandern. Jetzt mussich zurück ins Elend und ihr lebt hier immer noch wie die Herren! Das halte ich nicht aus. Ich nehm mir das Leben!“ Natürlich bietet Korff dem Freund seine Pistole für dieses Vorhaben an. Aber dann meint er: „Weißt du was. Eigentlich bin ich dir einen letzten Freundesdienst schuldig. Wir treffen uns morjen früh am Teich und ich bringe mein Gewehr mit. Damit jeht es am sichersten.“ Bei Sonnenaufgang stehen die Freunde am Weiher. Korff legt an und nimmt das Gewehr wieder herunter. „Stell dich doch bitte etwas weiter rechts unter die Trauerweide. Mit dem Morjenrot links im Hintergrund gibt das für mich eine schönere Erinnerung an diesen Abschied!“ Der Baron Firks stellt sich in Positur. Aber da auf einmal hört man auf der Dorfstraße Pferdegetrappel und Hundegebell. Korff senkt das Gewehr und bittet den Freund mit einer einladenden Geste zurück ins Gutshaus. „Du, ich glaub es kommen Gäste! Jehen wir erst mal anständig frühstücken. Und dann machen wir morjen weiter!“
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Wie die jungen Herren aufgeklärt wurden
Auch in delikaten Situationen suchten die Barone geistlichen Beistand bei ihren deutschen Dorfgeistlichen. Es wurde erst sehr spät konfirmiert im Baltikum. Wir waren meist schon achtzehn Jahre alt, wenn man uns in die Gemeinde aufnahm. Nach so einer Konfirmation nahm sich der Probst den Baron beiseite und sagte mit besorgter Stimme: „Mein lieber Baron! Ihr Junge ist ja jetzt schon fast erwachsen. Ich glaube es wird Zeit, dass sie ihrer Vaterpflicht jenügen und den Sohn auch über die Beziehungen zwischen Mann und Frau aufklären, damit er nicht eines Tages von zweifelhaften Personen verdorben wird!“ „Aber lieber Probst! Das ist doch unmöglich. Über so unanständige Sachen kann man doch als Vater nicht mit seinem eijenen Fleisch und Blut reden: Wie soll ich denn das anfangen?“ „Das ist sicher eine heikle Aufgabe, der man bei so einer unschuldigen Knabenseele nur mit Feingefühl und viel Takt gerecht werden kann. Am besten sie fangen mit dem Beispiel von den Bienen und den Gänseblümchen an. Dann erzählen sie dem Jungchen, wie die Schmetterlinge sich vermehren. Und schließlich gibt es ja Gelegenheiten genug, auch beim Geflügel aus der Beobachtung zu lernen und zu erklären, was Hahn und Henne da so machen.!“
Tags darauf nimmt sich der Baron ein Herz und ruft seinen Sohn ins Arbeitszimmer. „Der Probst hat mir jesagt, ich solle dich aufklären. Du wirst verstehen, dass es mir wahnsinnig peinlich ist, mit Dir über so was zu sprechen. Aber vielleicht kann ich es Dir an einem Beispiel deutlich machen: Erinnerst du dich noch an unsere Fahrt im vorigen Sommer durch die unendlichen Wälder bei Werro?“ „Ja, Papachen!“ „Weißt du noch, wie viel herrliche Blaubeeren damals am Wegrand standen?“ „Ja Papa!“ "Wir sahen doch damals so ein paar Zigeunermädchen beim Beerenpflücken zu. Weißt du noch, was wir mit diesen beiden Zigeunerinnen jemacht haben?“ "Ja, natürlich Papa!“
„Siehst Du, mein Junge, und jenau so vermehren sich die Schmetterlinge!“
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Das brennende Gutshaus
Der Baron Korff ruft mitten in der Nacht seinen Freund Firks an. „Entschuldige, dass ich so spät noch störe, aber bei uns brennt der ganze Gutshof!“ „Was soll das? Bis ich anjespannt habe, dann noch die fünfzehn Werst zu dir, ich glaube, ich komm doch viel zu spät zum Löschen!“ Ach, das meine ich doch nicht! Aber den Feuerschein solltest du sehen! Der ganze Himmel ist rot. Das Gebrüll des Viehs, die Leute mit den Eimer, alles ein tolles Erlebnis. Da musst du einfach dabei gewesen sein. Also macht Baron Firks sich auf den Weg. Als er ankommt, stehen nur noch qualmende Ruinen. Gerührt liegen sich die Freunde in den Armen. Dann schreiten sie gemeinsam durch die Trümmer. Auf einmal schnuppert Firks in einer Ecke des Wohnhauses, und fragt seinen Freund: „Sag mal, findest du nicht auch, dass es hier etwas nach Karamell riecht?“ „Das mag schon sein: Hier schlief unsere alte Großmutter als sie vom Feuer überrascht wurde, und die hatte Z u c k e r !“
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Der Vorarbeiter Juhan macht einen Besuch beim Gutsherrn und wird persönlich empfangen. „Euer Wohlgeboren, was meine Schwiegermutter war, die ist gestern verstorben. Am Freitag wollen wir in unserer Kate eine kleine Leichenfeier geben. Wenn der Herr Baron uns dabei die Ehre geben wollten....“ „Tut mir leid, Juhan, aber am Freitag haben wir Gäste. Vielleicht kann ich ja am späten Abend doch noch einmal hinein schauen?“ Als der Baron am gegen zwölf bei der Kate vorfährt, um den Angehörigen sein Beileid auszusprechen, hört er entsetzt Tanzmusik, Juchzen und Mädchengelächter . Verlegen grinsend empfängt ihn der Landarbeiter an der Haustür. „Aber Juhan! Bei einer Leichenfeier tanzen! Das jeht doch nicht!“ „Ja, Euer Wohlgeboren, das haben wir erst auch alle gedacht. Aber dann , als es später und immer fröhlicher wurde, haben wir den Sarg einfach hochkant in die Ecke gestellt - und es jing doch!“
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Vorschrift ist Vorschrift
Ein Bäuerlein kommt aufgeregt zum Landgendarm gelaufen. "Herr Gendarm! Herr Gendarm! In meiner Scheune ist etwas Fürchterliches passiert. Da hing einer oben am Balken. Ich hab den Strick durchgeschnitten und er plumpste auf die Diele ...!“ „Was?! Du hast ihn abgeschnitten - ohne Protokoll! Ja du dummer Bauer, weißt du nicht, dass erst der Gendarm alles aufnehmen muss, bevor man einen Selbstmörder vom Strick abschneiden darf?“ Verlegen schleicht sich das Bäuerlein aus dem Dienstzimmer und macht sich verstört auf den Weg zurück. Als der Diener des Gesetzes endlich am Tatort erscheint, kommt ihm der Landwirt strahlend aus der Scheune entgegen: „Alles wieder in Ordnung, Euer Wohlgeboren! Er hängt wieder so , wie ich ihn gefunden hatte. Als ich ihn wieder zurückhängen wollte, zappelte er wohl sehr - aber ich habe ihm klargemacht: Vorschrift ist Vorschrift! Erst muss man aufnehmen ein Protokoll!“
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Auf dem Gut hatte man Gäste. Munter plätscherte das Gespräch, als draußen im Treppenhaus ein Geräusch zu hören war. In die eintretende Stille ertönte die Stimme des Hausherren, der schmunzelnd zu erzählen begann: „Also Kinder, neulich hörten wir hier auch so ein beunruhigendes Geräusch. Meine Frau ist ja etwas ängstlich und bittet mich nachzusehen, ob wir auch keinen Mörder im Hausflur haben. Ich beruhige das gute Mädchen, nehme mir aber zur Sicherheit doch meine jeladene Pistole mit. Und tatsächlich, oben auf der Treppe bewegt sich ein Schatten. Ein Schuss, ein Schrei und dann geht das Licht an. Und was soll ich Euch sagen: Es war gar kein Mörder. Die Verletzte war unsere eijene Waschfrau!
Mein Gott, was haben wir j e l a c h t !
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Der Baron Firks hatte schon vor dem ersten Weltkrieg ein Telefon auf seinem Gut. Gelegentlich rief er zu Hause an, wenn er nach einer guten Ernte die Rubelchen an der Riviera oder auf der Krim unter die Leute brachte. Man erzählte sich die Geschichte eines solchen Anrufs, bei dem sich folgendes Telefongespräch mit dem estnischen Diener abgespielt haben soll: „Hallo, Juhann! Was jibt es Neues auf unserem Schloss ?“ „Eijentlich gibt es hier nichts Neues, euer Wohlgeboren!“ „Na und was macht mein Lieblingshengst, der Zarewitsch? Ist der immer noch so hinter den Stuten her?“ „Nein, Herr Baron, der deckt ja nun nicht mehr! Der ist doch im Stall verbrannt!“ „Der Stall hat gebrannt, wie konnte denn das passieren?“ „Durch Funkenflug, Herr Baron, durch Funkenflug!“ „Um Gottes Willen, Juhann, wo kamen denn die Funken her?“ „Vom Herrenhaus, euer Wohlgeboren, das stand ja in hellen Flammen!“ „Wie konnte denn das passieren; Juhann?“ "Nu ja, Euer Wohlgeboren, da ist eine brennende Kerze umgefallen!“ „Red` doch keinen Unsinn. Wir haben überall im Haus elektrisches Licht. Wofür brauchtet ihr eine Kerze?“ „Nu wir hatten Kerzen am Sarg ihrer Frau Mutter stehen, Herr Baron.“ „Aber ich bitte Dich, Juhann, die alte Dame war doch kerngesund!“ „Das schon, aber sie hat sich so jegrämt, euer Wohlgeboren!“ „Worüber denn das ?“ „Na über den Selbstmord ihres Herrn Bruders! "Was, der hat sich das Leben genommen? Warum denn das ?“ „Nu, wegen der Spielschulden, Herr Baron.“ „Mein Gott, Juhann, der hatte doch schon immer Spielschulden, dieser Kerl; das ist doch nicht neu!“ „Ich hab ja auch gesagt, euer Wohlgeboren, das es eijentlich jibt nichts Neues auf unserem Schloß !“
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Die Witze, die sich unsere Barone nach dem Abendessen bei einer guten Zigarre im Herrenzimmer erzählten, eignen sich natürlich nicht dafür, in Damengesellschaft vorgelesen zu werden. Aber Damen, die sich den Humor im heutigen Fernsehen zumuten, werden mir sicher verzeihen, wenn ich hier manches für die Nachwelt festhalte, wozu ihre Mütter im Baltikum noch „Pfuich!“ hätten sagen müssen.
Hoppelt der Hase am Fuchsbau vorbei. Die kleinen Füchse spielen vor dem Bau. Fragt der Hase: "Vater zu Hause?“ „Nein!“ „Mutter zu Hause?“ „Nein!“ Auf diese Gelegenheit hat der Hase lange gewartet, Blitzschnell ist er bei den jungen Füchsen und zack-zack, zack-zack, zack-zack haut er den Kleinen ein paar um die Ohren. Dann klopft er sich die Pfoten ab und verabschiedet sich mit den Worten: „Und eurer Mammi könnt ihr bestellen, dass ich sie auch noch gelegentlich vernaschen werde!“ Als die Fähe heimkommt, berichten die Jungen heulend, was vorgefallen ist. „Na wartet! Den Burschen greife ich mir! Morgen bleibe ich im Bau und ihr sagt dem Hasen, wenn er vorbei kommt, dass die Eltern fort sind....!“ Gesagt, getan. Am nächsten Morgen hoppelt der Hase vorsichtig wieder am Fuchsbau vorbei: „Vater zu Hause?“ „Nein!“ „Mutter zu Hause?“ „Nein!“
Zack-zack, zack-zack, zack-zack haben die Kleinen ihre Ohrfeigen eingefangen. Der Hase kann gerade noch anfangen „Und bestellt eurer Mammi....“ da springt die Alte schon wütend aus dem Bau. Haken schlagend erwischt der Hase gerade noch einen Kaninchenbau und verschwindet. Rasend stürzt sich die Fähe hinterher, aber das Loch ist etwas zu eng und sie bleibt im Eingang stecken.
Auf der anderen Seite steckt der Hase den Kopf heraus. Als die Luft rein zu sein scheint, hoppelt das Langohr um die Ecke und bleibt versonnen vor der eingeklemmten Füchsin hocken:
In Gedanken versunken betrachtet er die Situation: „Ich kann Füchse ja wirklich nicht riechen! Aber ich habe es den Kindern versprochen!“
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Die baltischen Gutshäuser waren sehr verbaut. Man hatte große Räume, die von einem Gang aus erreichbar waren. Die Toiletten waren, da es noch keine Wasserspülung gab, am Rande des Hauses über Jauchegruben placiert. Daraus ergab sich , dass ein langer dunkler Gang von der Tür bis zur Sitzgelegenheit führte.
Bei großen Bällen gab es zur Zeit der Reifröcke das Problem, diesen Gang mit dem breiten Fischbeingerüst des Rockes passieren zu müssen. Es war unmöglich sich damit auf dem Örtchen zu drehen um sich zu setzen.
Eine Baronesse machte endlich die Entdeckung, dass man den Rock schon auf dem Flur hochklappen müsse. Wenn man dann rückwärts zum eigentlichen Örtchen schlich, bestand keine Gefahr für die Fischbeinrippen des Unterrocks.
So geschah es auch auf einem Ball. Unsere Baronesse vergewisserte sich vor der Tür, dass der Flur menschenleer und relativ dunkel war. Mit elegantem Schwung lüftete sie ihre Röcke hinten hoch, öffnete die Toilettentür und bewegte sich in charmantem Rückwärtsgang auf das erwartete Ereignis zu, in den Kniekehlen das gewohnte Gefühl eines Holzrandes zu spüren.
Ein schriller Schrei! Es war nicht die ersehnte Öffnung sondern der Schoß des alten Barons von Maydel, auf dem die Baronesse gelandet war. Der schon etwas senile alte Herr, hatte vergessen, die Tür von innen zu verriegeln und war dann ein wenig eingenickt.
„Zum Glück kannte ich die Dame von dieser Seite noch nicht, sonst wäre mir das schrecklich peinlich gewesen!“
Der Name der Dame ist - dank der vollen Abschirmung durch die breiten Röcke - unbekannt geblieben.
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Firks und Korff sitzen nach einem Fest und dem Genuss etlicher Wodkas noch etwas zusammen. Korff schlägt vor, noch ein Kännchen Kaffee zu trinken, aber Firks lehnt ab: „Wenn ich Kaffee trinke, kann ich nachher nicht schlafen!“ Korff , trotz der vielen Schnäpse äußerlich noch kerzengerade, sinnt vor sich hin und bemerkt dann kopfschüttelnd: „Seltsam, bei mir ist das umgekehrt: Wenn ich schlafe, kann ich keinen Kaffee trinken!“
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Beim Baron von Harpe hatte die Gouvernante mit den Kindern eine kleines Theaterstück einstudiert. Es sollte im Saal, dem großen Zimmer für festliche Gelegenheiten, aufgeführt werden. Natürlich fehlte eine richtige Bühne und die Hausfrau war in Sorge, dass die Sichtverhältnisse nicht ausreichend auch für die rückwärtigen Sitzreihen wären. Besorgt rief sie in den sich füllenden Saal hinein:
„Können die Hinteren auch sehen?“
Da ertönte die tiefe Stimme des Grovaters aus der letzten Reihe:
„ M e i n e r n i c h t !
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Im Vorigen Jahrhundert galten die Gutsbesitzer im Baltikum als nicht sehr belesen . Da fügte es sich, dass bei einem Fest auf dem Gut Üxkül ein Gast sich auf der Suche nach einem stillen Örtchen in das Arbeitszimmer des Barons verirrte. Es war ein sehr repräsentativer Raum mit Regalen und einem großen Schreibtisch aus sibirischer Eiche. An den Wänden hingen Gewehre und Jagdtrophäen. Und die Bücherregale waren voller Pokale, die der Baron bei Reitturnieren gewonnen hatte.
Was den Gast aber über alle Maßen fesselte, war ein Exemplar der damals gerade herausgekommenen Zeitschrift „Wild und Hund“, welches auf dem Schreibtisch lag. Der Gast betastete das Papier, bewunderte die bunten Bilder von Füchsen, Hasen und Enten und verlieh seinem Erstaunen durch laute Rufe Ausdruck.
Bald kamen ein paar andere Herren hinzu und schließlich war das Exemplar der Zeitschrift „Wild und Hund“ das zentrale Thema während des ganzen Abends. Der Baron von Üxkül hatte von diesem Tag an im ganzen Baltikum den Beinamen „Der Bücherwurm“!
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Der Baron Korff fährt zum ersten Mal mit der Eisenbahn über die Grenze nach Deutschland. Ein Zollbeamter betritt in ungewohnter Uniform das Abteil und fragt mit schnarrender Stimme: "Alkohol? Zigaretten? Kaffee ?
„Nein danke“, antwortet der Baron „ aber wenn sie für mich eine Tasse Tee hätten?
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Die Leute
Baron von Harpe war ein sehr fortschrittlicher Landwirt. Immer wieder reiste er nach Deutschland um sich Saatgut und seltene Feldfrüchte aller Art zu beschaffen, mit denen er auf seinem Gut experimentierte.
Viehrüben waren in Estland schon lange als Futtermittel bekannt. Zuckerrüben wuchsen auf dem leichten Boden nur unbefriedigend. Die Erträge mit Kartoffeln waren da deutlich besser. Steckrüben kannten auch nicht alle Gutsbesitzer. Als der Baron Korff seinen Nachbarn besuchte, sah er gerade eine Fuhre mit ihm unbekannten Feldfrüchten auf den Hof fahren. „Sag mal, Lieberchen, was ist denn das für eine seltsame Rübensorte, die du da einfahren lässt?“
„Das sind Steckrüben, die ich aus Pommern mitgebracht habe, wo mein Freund von Puttkammer sie gerne anbaut. Die Steckrübe ist eine vorzügliche Speise für`s Gesinde und nährt auch`s Vieh!“
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Baron von Stackelberg kam auf einer Reise nach Pommern auch auf dem Gut seines Freundes von Puttkammer vorbei. Nach einer langen Fahrt durch die Liegenschaften fragte der Baron den Adeligen aus altem Pommerschen Geschlecht: „Weißt du, was mir hier in Pommern am meisten auffällt? Deine Leute haben alle so intelligente Gesichter. Also wenn ich an meine Landarbeiter in Livland denke - kein Vergleich!“
„Das kann schon stimmen, denn wir machen hier ja auch seit Generationen unsere Leibeigenen selber!“
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Aus dem Dorpater Universitätsleben
In der Korporation Livonia zu Dorpat gab es ein Orginal´mit Namen Saschka Stern. Er hatte von einer sehr reichen Erbtante ein fürstliches Legat ausgesetzt bekommen, das allerdings nur bis zum Abschluß seines Geschichtsstudiums befristet war. Natürlich kam es unter so günstigen finanziellen Bedingungen nie zum Examen.
Zu meiner Zeit war Sachka Stern im sechsundfünfzigsten Semester. Man erzählte sich, daß er inzwischen die Namen der Unteroffiziere Friedrichs des Großen aus dem Siebenjährigen Krieg auswendig nennen konnte.
Saschka Stern war ein begabter Nassauer. Er ging an den Studentenbuden seiner Kommilitonen vorbei und wenn es irgendwo nach Braten roch, kam er zufällig vorbei und ließ sich einladen. So schneite er eines Tages beim jungen Baron Karl-August von Stackelberg herein, als dieser mit seinem Bundesbruder Eisenschmidt gerade einen herrlichen Rehrücken in der Bratröhre zelebrierte. Saschka Stern leckte sich schon die Lippen, als Stackelberg eine Idee hatte. Sobald Eisenschmidt kurz verschwand, um etwas Bier wegzutragen, flüsterte er Saschka zu:
„Im Vertrauen gesagt, Lieberchen, ich mache hier ein wissenschaftliches Experiment. Von den Tungusen ist bekannt, dass sie Hunde auf das Trefflichste zuzubereiten verstehen. Eisenschmidt hat keine Ahnung, was es heute wirklich gibt. Er ist nicht zu überzeugen, dass Hunde vorzüglich schmecken, aber ich wette, der wird den Unterschied zu Wild nicht bemerken! Du bist natürlich herzlich eingeladen - aber lass dir nichts anmerken!“ Saschka Stern bedauerte außerordentlich, aber gerade heute habe er eine Einladung zum Essen, die er unmöglich absagen könne.
Die beiden Livonen aber speisten diesmal mit besonderem Genuss!
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Bei der Livonia waren auch viele Söhne von Gutsbesitzern aktiv. In den zwanziger Jahren war das Geld knapp. Im Rahmen einer Bodenreform hatten die Adeligen 90 Prozent ihrer Grundstücke an estnische Landarbeiter abtreten müssen. Man lebte auf den Restgütern zwar weiter als Herr aber mit deutlich bescheideneren Mitteln.
In diesen Jahren schrieb ein Livone an seinen Vater, er brauche wegen der hohen Auslagen an der Universität unbedingt wieder einen Zuschuss von 500 Kronen. Das Geld kam prompt per Postanweisung. Es waren 50 Kronen und der Papa hatte hinten auf den Überweisungsabschnitt notiert:
„Anbei der gewünschte Betrag! Nach Abitur und einem Semester an der Universität solltest Du aber endlich wissen, dass man fünfzig nicht mit zwei Nullen schreibt!“
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Die früher sehr wohlhabenden Herren im Baltikum hatten sich nach dem ersten Weltkrieg daran gewöhnen müssen, dass man kein Geld hatte. Über Geld wurde nicht geredet. Es war auch zwecklos, einen Kommilitonen anpumpen zu wollen, denn alle hatten nichts. Briefe an die Eltern mit der Bitte um etwas zusätzliches Geld, waren aussichtslos.
Als der junge Baron von Stackelberg drei Bittbriefe hintereinander nach Hause geschickt hatte, die alle ohne Antwort blieben, telegraphierte er schließlich an seinen Vater: „Wo bleibt das Geld?“
Das Antworttelegramm kam postwendend: Es enthielt nur ein Wort : „H i e r“
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Vor dem ersten Weltkrieg lebten die jungen und die alten Bundesbrüder ein flotteres Studentenleben.
Nach einer Semesterantrittskneipe kommt ein Philister schwankend und singend aus dem verqualmten und nach Bier riechenden Konventsquartier der Livonia ins Freie. Der Kutscher ist vorgefahren und der Baron schnuppert missmutig: „Juhann, was riecht hier so seltsam!?“ Juhann zieht die Mütze und klärt seinen Herren auf:
„Morgenluft, euer Wohlgeboren, frische Morgenluft!“
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An der Universität Dorpat beklagte man den Tod eines bekannten Professors. Neben viel hochgeistiger Prominenz besuchten auch die Barone Firks und Korff den Trauergottesdienst. Als bei der Würdigung des Verstorbenen der Pastor mit erhobener Stimme erwähnte, dass der Hingeschiedene allein acht tote Sprachen beherrscht habe, flüsterte Firks seinem Freunde zu:
„Die wird er jetzt gut brauchen können!“
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Stiftungsfest bei der Livonia. Als beim Festkommers lautes Singen ertönt, meint einer der wartenden Kutscher: „Ich glaub die Herrschaften sind schon besoffen. Sollten wir nicht schon mal anspannen und vorfahren?“ Da schüttelt der alte Juhann den Kopf und meint: „Lass die Gäule ruhig noch was fressen. Wenn die beim Gaudeamus sind, dann dauert das mindestens noch drei Stunden!“
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Der junge Baron kommt mit dick verbundener Hand aus dem ersten Semester in Dorpat zurück. Betroffen fragt die Frau Mama: „Aber Jungchen, wie ist Dir denn das passiert? Ich denke ihr habt beim Fechten einen Korb am Schläger und dicke Handschuhe an !“ „Ach Mamachen, das war gar nicht beim Fechten. Auf der Abschlusskneipe im Konventsquartier ist mir doch so ein besoffener Confuchs einfach auf die Hand getreten“
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Bei der mündlichen Prüfung im Physikum an der Universität Dorpat fragt der Professor den jungen Medizinstudenten nach der Funktion der Milz. „Herr Professor, die Antwort liegt mir auf der Zunge! Ich komme einfach nicht darauf. Aber gestern habe ich es bestimmt noch gewusst! Ich habe es einfach vergessen!“ „Welch eine Tragödie! Was für ein Jammer! Der einzige Mensch, der gewusst hat, wozu die Milz da ist, hat es wieder vergessen!“
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Nach dem zweiten Weltkrieg lehrte der baltische Professor von Rimscha an der Universität Erlangen Geschichte. Seine Vorlesungen über Goethe und Dostojewski waren immer gut besucht. Und auch der Professor war ein gern gesehener Gast bei den Korporationen.
Auf einem Stiftungsfest des Corps Lusatia Leipzig zu Erlangen hielt der Professor beim Festkommers eine kurze Ansprache, die mit den Worten begann: „Meine Herren! Jede Rede, die Anspruch auf Niveau erhebt, sollte eigentlich mindestens drei gute Gedanken enthalten. Gestatten sie mir aber in Anbetracht der vorgeschrittenen Stunde, dass ich mich heute auf einen einzigen beschränke ....“
Am folgenden Abend beim großen Ball musste nach guter alter Sitte der jüngste Fuchs die Damenrede halten. Das war mein Corpsbruder Fritz Becker. Er entledigte sich seiner Aufgabe wie folgt: Nach der Anrede der Anwesenden nahm er Bezug auf die Rede von Rimschas:
„...Wir haben gestern von unserem verehrten Herrn Professor vernommen, dass jede Rede eigentlich mindestens drei gute Gedanken enthalten sollte. Da aber sogar ein Professor sich auf einen einzigen Gedanken beschränken durfte, wird man von mir als jüngstem Fuchs nicht erwarten können, dass meine Rede überhaupt einen Gedanken enthält.“
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Unsere baltischen Ärzte
Als der bekannte Chirurg Professor Kügelchen verstarb, zierte bald ein großer schöner Grabstein die letzte Ruhestätte. Leichtsinniger weise hatte man den Namen des Professors so klein eingemeißelt, das Platz für schänderische Studentenhand darüber frei geblieben war. Es dauert nicht lange, da war auf dem Grabstein in dauerhafter Schrift zu lesen:
Unter diesem Hügelchen
Da liegt der Doktor Kügelchen
Und alle die hier um ihn liegen
Verdanken ihm dieses Vergnügen
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In Pölve wohnte der Dr.Glasenap gegenüber vom Schwarzenhof, dem Gut meines Großonkels Eduard Schwarz. Der war immer knapp bei Kasse. Als Doktor Glasenapp ihm am Krankenbett eine Medizin verschrieb, sagte der alte Gutsbesitzer: „Ach Doktorchen. Die Zeiten sind so schlecht. Die letzte Ernte ist mir doch total verregnet. Ich weiß nicht, wie ich dich bezahlen soll. Aber ich werde dich in meinem Testament bedenken!“ Dr. Glasenap zeigte sich einverstanden: „Weißt Du, Eduard, gib mir doch das Rezept noch einmal her - ich muss es dann etwas ändern!“ Schmunzelnd griff der Gutsherr unter sein Kopfkissen, bezahlte den Doktor bar und behielt das nicht geänderte Rezept.
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Zum gleichen Doktor kam eine alte Bauersfrau und beklagte sich über Schlafbeschwerden und Kopfschmerzen. Doktor Glasenap hörte sich die Krankengeschichte geduldig an und meinte dann: „Na Muttchen, dann wollen wir mal eine gründliche Analyse ihrer Psyche durchführen.“ „Ja, Herr Doktor, das habe ich mir gleich gedacht. Ich habe schon ein Fläschchen voll mitgebracht!“
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Der Doktor untersucht eine geschwätzige Patientin, die endlos über ihre verschiedenen Wehwehchen palavert. Geduldig hört der Arzt zu. Dann sagt er: „Zeigen sie mir mal die Zunge, gnädige Frau!“ Die Dame gehorcht. „So, und jetzt lassen sie die Zunge bitte so lange draußen, bis ich gesagt habe, was gegen ihre Beschwerden zu unternehmen ist.“
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Dr. Kienast war in Dorpat ein bekannter Röntgenarzt. Eines Tages kam eine Dame der Gesellschaft in seine Praxis und bat um eine Röntgenaufnahme von ihrer linken Schulter: „Immer, wenn ich den linken Arm so hochhebe, dann tut mir das schrecklich weh!“ Kienast, der damals nicht so auf die Honorare von Privatpatienten angewiesen war, wie unsere heutigen Mediziner, antwortete trocken: „Aber meine Gnädigste, dann ist es doch ungemein töricht von Ihnen, den Arm so zu heben!“
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Der Baron liegt auf den Tod krank in seinem Bett und sein Freund Dr. Glaseanpp macht noch einen Krankenbesuch bei ihm, Nach längerem Gespräch greift der Arzt zum Rezeptblock und sagt: "Weißt du mein Lieberchen, ich werde dir jetzt noch ein paar Moorbäder verschreiben!" Hoffnungvoll fragt der Baron, ob das denn jetzt noch helfen könne.
"Das glaube ich zwar nicht, aber du gewöhnst dich so schon etwas an die neue Umgebung!"
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Eine Baronin, die für ihren Geiz bekannt war, fragte auf einem Ball den bekannten Chirurgen Professor Dr. Kügelchen um medizinischen Rat. Der Professor zögerte nicht: „Das haben wir gleich: Bitte machen sie sich doch eben mal frei!“
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Unsere jüdischen Mitbürger
Das Wort Antisemitismus ist mir im Baltikum nie begegnet. Wir hatten jüdische Mitschüler, die heimlich nicht koschere Schinkenbrötchen gegen bar oder Süßigkeiten eintauschten. Aber sonst waren es Schulkameraden wie alle anderen auch.
Mein Vater hatte in den Klassen, die er unterrichtete natürlich auch jüdische Schüler. Und selbstredend bekam der Herr Pastor in den Geschäften ihrer Eltern Rabatt, der vorher aufgeschlagen wurde. Eins Tages gab der kleine Furmanski meinem alten Herren einen heißen Tip. Sein Vater wäre furchtbar abergläubisch und pflege zu sagen: „Wenn der erste Kunde nich käuft, wirste keine Geschäfte machen die ganze Woche!“ Also ging Pastor Brunowsky , als er einen neuen Wintermantel brauchte, am Montag früh als erster Kunde zum Herrenausstatter Furmanski. Mit seiner Kenntnis des Aberglaubens feilschte der Pastor besser als ein Rebbe. Dreimal verließ er den Laden. Jedesmal kam der alte Furmanski hinterhergelaufen!“ „Sie werden mich ruinieren! Wie können sie einem Vater von unmündigen Kinderchen so was antun?“
Aber schließlich wurde man handelseinig.
„Wissen sie, Herr Pastor, hab ich doch nur genannt so einen Preis, damit ich geben kann verehrtem Lehrer meines Söhnchens größeren Rabatt.
Fortan kaufte mein Vater immer nur bei diesem jüdischen Geschäft. Und irgendwie mochten sich die beiden Schlitzohren besonders gut leiden.
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Der Rebbe machte im Osten oft auch den Heiratsvermittler, einmal um die verstreut lebenden Glaubensgenossen zusammenzuführen, zum anderen aber natürlich wegen der Gebühren, die von beiden Elternpaaren dem Brautwerber in die Tasche geschoben wurden. Heimlich , denn wer wird schon freiwillig Geld von einem Glaubensbruder annehmen. Oft wurde lange um die Mitgift verhandelt. „Hat die kleine Sara ein etwas zu kurzes Beinchen, dann muss man eben ein Paket Rubelscheine darunter schieben!“ Für den Sohn von Ohrenstein eine Braut zu finden, war schwer. Der Junge war nicht sehr gescheit und außerdem auch klein und unansehnlich.
Schließlich empfahl der Rebbe ein Mädchen mit höchst zweifelhaftem Ruf aus Werro. Das war zwar ein attraktives Weibchen, aber der alte Ohrenstein brach in ein Wai-Geschrei aus. „Mit diesem Mädchen hat doch schon jeder in Werro etwas gehabt, Rebbe!“ „Nu ja, da is natürlich etwas dran, aber bedenk doch: Wie groß ist schon Werro?“
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In der jüdischen Gemeinde gab es natürlich auch Religionsunterricht. Der Rabbiner erzählte eine Geschichte aus dem Alten Testament, in der der Prophet Elias die kleine Rahel in Windeln gewickelt auf einem einsamen Wüstenpfad findet. „Elia hob das Bündel auf und flehte den Herrn an, er möge einen Weg zeigen, das liebliche Kind vor dem Hungertod zu retten. Und Jehova ließ ein Wunder geschehen. Dem Propheten wuchsen Brüste. Er legte die Kleine an dieselben und stillte ihren Durst!“ Da meldet sich in der letzten Reihe der kleine Ohrenstein: „Eine Frage nur Rebbe: Warum konnte der Herr nicht einfach finden lassen den Elia ein Beutelchen mit Geld, so daß der Prophet konnte käufen alles Notwendige für das Kind?“
Da schwellen Zornesadern auf der Stirn des Rabbiners:
„Da kann man wieder einmal sehen, wie wenig religiöses Gefühl die heutige Jugend hat! Warum soll Jehova riskieren von dem Guten in Bar, wenn er doch kann tun Wunder!“
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Der kleine Gakinski musste die Zeddelmannsche Schule wegen einer Zementsechs im Rechnen verlassen, als er die Quinta im dritten Anlauf nicht schaffte. Zehn Jahre später war er schon ein wohlhabender Schrotthändler. Eines Tages überholt er im dicken Wagen einen Radfahrer, seinen füheren Schuldirektor Zeddelmann. Galinski hält an und lüftet seinen Hut. Auch der Schulleiter hält an und fragt sein früheres Sorgenkind: „Galinski, sie altes Schlitzohr! Sie haben es ja offenbar auch ohne große Rechenkenntnisse zu etwas gebracht. Wie kann man zu einem Vermögen kommen, ohne auch nur die Prozentrechnung begriffen zu haben?“
„Ach wissen Sie Herr Direktor, ich kaufe Alteisen für eine Krone das Pud und verkaufe es für zwei ! Und von dem einen Prozent lebe ich!“
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In Werro lag der Rabbiner im Sterben. Der Himmel weinte und der Sturm heulte mit den auf das Hinscheiden wartenden Angehörigen um die Wette. Man schlug vor, nach Petschur zu schicken, wo die nächstgelegene jüdische Gemeinde war, um dem Rebbe in seiner letzten Stunde geistlichen Beistand zu verschaffen. Der aber lehnte immer wieder ab. Das letzte Stündlein rückte näher. Da endlich erhob sich der Alte von seinen Kissen und herrschte die Verwandschaft an. „Es ist bald soweit! Holt mir den griechisch orthodoxen Popen aus dem Dorf an mein Sterbebett!“ „Aber Rebbe! Dur wirst dir doch nicht geben lassen de letzte Oilung durch einen Goim!“ Der Rabiner aber blieb hart:
„Nu woi! Werd ich bemühen einen Glaubensbruder bei dem Wetter?“
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Der Budenbesitzer Simon Weizenstein liegt im Sterben. Die Familie ist versammelt. Weizenstein nimmt einzeln von Frau und Kindern Abschied. Alle werden aufgerufen und treten stumm und weinend ans Bett. Plötzlich durchzuckt es den Sterbenden. Er richtet sich noch einmal hoch auf und raunzt die Familie an:
„Und wer bitte ist im G e s c h ä f t ?“
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Der Pelzhändler Fuhrmanski nimmt seinen Sohn mit auf Geschäftsreise. Nu, sie kaufen hier und handeln dort. Bis sie bei einem jiddischen Geschäftsfreund einkehren. Auch da wird gefeilscht auf Deubel komm raus. Beide sind gewiefte Kaufleute, aber Fuhrmannski gelingt es mit Schweiß auf der Stirn, immer noch etwas herunterzuhandeln. Schließlich wird man sich einig und Fuhrmanski reist mit Sohn und Waren zurück nach Estland. Unterwegs fragt der Sohn:„Vader leben! Warum hast du bei dem letzten Geschäft, den Preis so weit herunter gehandelt? Jeder, der dich gut genug kennt, weiß doch, du wirst sowieso nicht bezahlen!“
„Ja, weißt du, Söhnchen, das stimmt schon. Aber dieser Glaubensbruder ist ein alter Freund von mir. Und ich will nicht, dass er soviel an mir verliert!“
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Fragt ein Gläubiger den Rebbe: „In der Schrift steht, dass dem Armen auch noch das Brot auf die Butterseite fällt und dem Reichen nicht. Nu versteh ich nicht, ich bin doch reich und mir ist auch ein Brot auf die belegte Seite gefallen ?“ Der Rebbe klärt! Dann sagt er: „Du hast eben das Brot auf der falschen Seite beschmiert, mein Sohn!“
Schrullige Geschichten
Der Baron sitzt im Abteil 1. Klasse. Da kommt der Schaffner und bittet: „Herr Baron, wir haben im Zug nur ein Coupe 1.Klasse!“ „Das weiß ich.“ „Herr Baron, es ist mir furchtbar peinlich, aber der Viehhändler Weiß hat auch ein Billett der 1.Klasse gelöst. Darf er bei Ihnen zusteigen?“ „Kommt nicht in Betracht. Ein Baron sitzt nicht mit einem Viehhändler in einem Abteil!“ Der Kondukteur zieht ab und kommt gleich mit der Nachricht wieder, der Herr Weiß bestehe auf seinem Recht. Er habe für die 1.Klasse bezahlt !
„Sagen sie dem Herrn Weiß, er kann mich am ..... ......!“
Kurze Zeit später kommt der Viehhändler in Begleitung des Beamten vor das Abteilfenster. „Ist es wahr, dass sie mir haben bestellen lassen, ich könne sie am ..... ...... ?“ Der Baron schaut verächtlich hinaus. Dann schüttelt er den Kopf:
„Es stimmt! Aber jetzt, wo ich ihr Gesicht sehe, verbiete ich es ihnen!“
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Baron Korff geht früh um sieben an den Strand in Vösu. Es ist keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Also beschließt der Spaziergänger sich nackt in der Ostsee zu erfrischen. Er schwimmt weit hinaus. Als er umkehrt, sieht er mit Schrecken, dass sich eine junge Dame in der Nähe seiner Sachen hingesetzt hat und beginnt, ein Buch zu lesen. Was tun ? Als Korff langsam auf den Strand zu schreitet, stößt er mit dem Fuß an einen Gegenstand. Ein Glücksfall! Es ist ein Topf, den sich der Nacktbader erleichtert greift. Mit dem Geschirr vor der Blöße geht der Baron gelassen zu seinen Sachen. Ein wenig Konversation am Morgen kann nicht schaden. Also fragt er die Dame, was sie denn da für ein Buch lese. „Es ist ein Fachbuch über das Gedanken Lesen.“ „Na dann können Gnädigste sicher erraten, was ich jetzt denke“ fragt der Charmeur leutselig.
„Sie denken sicher, dass Ihr Topf einen Boden hat !“
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Die Baronin Ungern-Sternberg hatte einen nagelneuen Citroen beim Autohaus Werncke in Fellin erworben und machte ihre erste Auslandsreise damit. In Fellin hatte sie nur wenig Fahrpraxis. Und Ampeln gab es in Estland damals sowieso noch nicht. Als sie in Berlin das erste Mal staunend vor so einer Ampel hält, würgt sie den Motor ab. Es wird gelb, grün, gelb rot und wieder gelb grün. Da tritt ein Schutzmann höflich grüßend an den Wagen mit ausländischem Kennzeichen heran und fragt:
„Ist denn gar keine passende Farbe für sie dabei, gnädige Frau ?“
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Der Diener öffnet Baron Korff mit einer tiefen Verbeugung die Haustür und sagt dabei leise vor sich hin: "Warst wohl wieder im Freudenhaus, du alter Saufkopf!" "Nein, Johann, ich war in der Stadt und hab mir ein Hörgerät gekauft!"
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Barone Firks und Korff stehen in Russland vor einem Denkmal, dass man Puschkin an der Stelle gesetzt hat, wo er im Duell durch die Kugel eines Franzosen gefallen ist. Korff schüttelt den Kopf:
"Unbegreiflich diese Russen. Hier steht doch, dass der Franzose jewonnen hat - und dem Puschkin setzen sie das Denkmal!"
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„Mensch Korff! Ich habe heute einen furchtbaren Alptraum gehabt: Ich befand mich allein mit Claudia Schiffer auf einer einsamen Insel im Pazifik .Wir gingen am Strand unter Palmen spazieren. Über uns leuchtete der Sternenhimmel. Der silberne Mond ließ unsere Schatten verschmelzen, als Claudia sich an mich schmiegte.“ „Aber Lieberchen, das war doch kein Alptraum!“
„Leider doch, lieber Firks. In meinem Traum war ich nämlich Hella von Sinnen!“
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Zwei Barone sind mit Ihren Damen auf einer Urlaubsreise nach Paris. Während die beiden Damen Museen besichtigen, haben die Herren andere Interessen. Sie gehen auf getrennten Wegen durch die Metropole und treffen sich zufällig in einem Cafe. Schwärmt der eine: „Also Lieberchen, ein Etablissement habe ich entdeckt. Schmelzende Zigeunermusik, herrliche rote Plüschmöbel, schummerige Beleuchtung - da müssen wir beide unbedingt einmal zusammen hin!“ Der Freund windet sich. Schließlich meint er: „Das jeht heute nicht. Den Abend habe ich meiner Frau versprochen!“
„Na bitte! Nehmen wir unsere beiden Damen doch einfach mit! Vielleicht müssen wir ein bißchen K o r k e n g e l d bezahlen!“
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Der alte Baron liegt genießerisch in der Badewann und läßt sich vom Diener Johann den Rücken schrubben. Die wohltuende Wärme des Wassers, die angenehme, die Durchblutung fördernde Wirkund der Bürste, vielleicht auch ein paar Gedanken an verklungene Abenteuer - kurz das Bad hat eine nicht mehr ganz alltägliche, willkommene Wirkung. Diskret fragr der Diener: „Gratuliere Herr Baron! Soll ich die Frau Baronin wecken?“
„Nein, Johann, wissen sie was. Lassen sie anspannen. Mal sehen, ob wir ihn so in die Stadt bekommen!“
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Die Baronin sitzt im Wintergarten und häkelt. Da kommt die Gouvernante aufgeregt angelaufen und schreit entsetzt: „Um Gottes Willen, Frau Baronin, schauen sie in den Park hinaus, was da die Anuschka mit dem jungen Herren macht!“ Mit Würde und Gelassenheit schreitet die Gutsherrin ans Fenster und öffnet es. Was sie da sieht , läßt ihr das Entsetzen kalt den Rücken herunter laufen. Mit strenger Stimme ruft sie dann hinunter in den Park:
„Annuschka! Annuschka! Wirst dich wohl bücken! Soll sich der junge Herr Baron das Kreuz verrenken?“
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Die etwas späte aber immer noch unbeschädigte Baronesse macht von der Riviera aus eine Kreuzfahrt im Mittelmeer. Natürlich reist die begüterte Dame in der ersten Klasse. Aus ihrem Tagebuch seien hier ein paar Eintragungen festgehalten:
Montag, den 5.Mai : Am Kapitänstisch gesessen. Der Kapitän ist ein charmanter Plauderer!
Dienstag, den 6. Mai: Auf der Brücke einen Drink mit dem Kapitän genommen!
Mittwoch, den 7. Mai: Der Kapitän macht mir unsittliche Anträge. Pfui!!!
Donnerstag, den 8. Mai: Der Kapitän bedrängt mich! Er droht das Schiff auf ein Riff zu setzen, wenn ich ihn nicht erhöre. Bin verzweifelt. Was soll ich nur machen ?
Freitag, den 9. Mai: Heute Nacht habe ich vierhundertsechzig Passagieren und der Besatzung das Leben gerettet!
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Der alte Baron ist mit Sohn und Großsohn in Paris, um die Erträge einer besonders guten Ernte unter die Leute zu bringen. Man erkundigt sich im Hotel beim Portier nach Möglichkeiten, den angebrochenen Nachmittag in charmanter Gesellschaft zu verbringen. Der Portier hat für jeden der drei Herren die richtige Adresse. Um 24 Uhr kommt der Enkel zurück ins Hotel. Er gibt dem Portier zwanzig Franken Trinkgeld und bedankt sich: „Also diese Weiber in Paris! Ein Temperament! War ein toller Abend!“
Um 2 Uhr nachts kehrt der fünfundvierzigjährige „junge Baron“ heim und schwärmt: „Also diese Weiber in Paris! Ein Einfallsreichtum! Tolle Adresse!“
Um 6 Uhr morgens erscheint endlich der alte Baron persönlich. Er gibt dem Portier einhundert Franken Trinkgeld und säufzt glücklich: „Also mein Lieberchen, das war ein heißer Tip! Diese Weiber in Paris! Eine Geduld kann ich ihnen sagen, ein unwahrscheinliche Geduld!“
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Der Baron kommt früher als sonst von der Jagd zurück. Gut gelaunt ruft er nach seiner besseren Hälfte. Da ertönt leises Stöhnen oben aus dem Schlafzimmer. Voller Sorge rennt er hinauf und sieht seine Frau hilflos auf dem Bett liegend. „Lauf schnell zum Arzt! Ich glaube, ich hab einen Herzanfall !“ Der Gutsbesitzer rast die Treppe hinunter, stürzt ans Telefon und wählt den Rettungsdienst.
Da kommt sein kleiner Sohn aufgeregt angelaufen und ruft : „Papa,Papa! Komm schnell hinauf: Oben im Gang versteckt sich ein nackter Mann im Schrank!“ Der Baron lässt den Hörer fallen und stürzt hinauf, reißt die Schranktür auf und erkennt seinen Nachbarn zwischen den Kleidern.
„Bist Du noch bei Sinnen , Lieberchen? Meine Frau hat einen Herzanfall und Du spielst hier Verstecken und erschreckst die Kinder!“
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Ein Gutsbesitzer erfährt, das in Dorpat am Droschkenstand auf dem Marktplatz in Kutscher auf Fahrgäste wartet, der seinem ältesten Sohn aufs Haar ähnlich sieht. Die Neugier plagt den Baron. Eines Tages lässt er anspannen, um in der Stadt den Ursachen dieser Ähnlichkeít auf den Grund zu gehen. Und tatsächlich - auf dem Bock einer Droschke sitzt jemand, den man mit seinem ältesten Sohn wirklich leicht verwechseln könnte. Der Baron steigt in die Droschke ein und fragt den Fuhrmann leutselig: „Sagen sie mal, sind sie zufällig aus der Gegend von Törva?“ „Aber sicher doch, euer Wohlgeboren, ich bin keine zehn Werst davon zur Welt gekommen.“ Der Baron fiebert der Wahrheit entgegen: „War ihre Mutter vielleicht damals Zimmermädchen auf einem Gut dort in der Nähe?“ Der Gespannlenker schüttelt den Kopf. „Das nicht, aber mein Vater war damals Paradekutscher auf einem Gut bei Törva!“
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Die Perle Koidula hat Ausgang. In Tränen aufgelöst kommt sie am Abend spät zurück und weint sich bei der Frau Baronin. aus. „Alles hat er mir jenommen, so ein Schuft, so ein gemeiner!“ Die Baronin ist entsetzt und befürchtet das Schlimmste. „Nun erzähl doch mal alles schön der Reihe nach, Koidula, der Her Baron wird bestimmt Verständnis für dein Abenteuer haben!“ „Nu was für Abenteuer! Meinen Geldbeutel hat mir der feine Kavalier auf der Parkbank am Domberg gestohlen, so einfach aus meiner Rocktasche heraus.“ Erstaunt fragt die Baronin: „Aber du hast doch gar keine Tasche an deinem Rock?“
„Nu Tasche ist oben im Unterrock. Ich habe doch gedacht, er hat anständige Absichten, dieser Saukerl!“
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Unsere ostpreußischen Nachbarn
In den zwanziger Jahren wurde auf einem großen Gut in Ostpreußen die Reichstagswahl vorbereitet. Der Baron schickte den Verwalter zur Gemeinde, um Wahlscheine und Umschläge zu besorgen, „damit die Lorbasse auch alle von ihrem demokratischen Wahlrecht Gebrauch machen!“ Am Wahlsonntag wurden die großen Arbeitswagen angespannt. Die Landarbeiter saßen auf, und der Inspektor verteilte die Umschläge, in denen der Patron fürsorglich bereits überall Deutsch-National angekreuzt hatte. „So Leute, jetzt fahren wir zum Wahllokal, da wirft jeder von Euch seinen Umschlag in die Urne - und wenn wir zurück kommen, gibt`s Freibier!“ Unterwegs bemerkt der Verwalter, dass der Kaludrigkeit versucht, seinen Umschlag zu öffnen, um nachzusehen, was denn da angekreuzt ist. Kopfschüttelnd ruft ihn der Verwalter zur Ordnung.
„Kaludrigkeit, was bist du für eine schlechter Demokrat! Wirst du wohl deinen Umschlag zulassen! Weißt du denn nicht: Dies ist eine g e h e i m e W a h l !“
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Das Marjellche ist an einem sonnigen Morgen nicht wie gewohnt auf dem Weg zur Schule. Der Vater hat sie mit einer Kuh zur Deckstation geschickt. Da begegnet ihr der Lehrer. „Was machst du denn jetzt noch mit der Kuh. Ich denk du musst gleich zum Unterricht?“ „Aber nei doch, Herr Lehrer, dass sie auch gerade hier müssen langskommen! Ich bring nur schnell noch die Kuh zum Decken.“
„Das hätte doch auch der Vater machen können, Marjellche!“
„Näi, näi, Herr Lehrer, das muss schon der Bulle sein!“
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Auf einem ostpreußischen Gut ist ein neuer Inspektor angestellt worden. Immer höflich und freundlich erledigt er seine Aufgaben, Nur dem Gutsherren ist er zu weich. Den Leuten die Hand schütteln, aufstehen, wenn die Viehmagd ins Büro kommt! „Das verdirbt doch die Leute!“ Nach der Ernte wird ihm aus solchen Gründen gekündigt. Da platzt dem Inspektor der Kragen! „Sie sturer ostpreußischer Dickschädel! Keine Ahnung haben sie von Menschenführung. Wissen sie, was sie mich können......?“ Da hellt sich die Miene des Gutsherren auf:
„Schade, Inspektorchen - aber jetzt ist es zu spät mit Einschmeicheln!“
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Manöverball auf der Tenne des Gutshauses. Marjellche tanzt mit einem schmucken Unteroffizier. Das Ballgespräch kommt nicht so recht in Gang,
„Freileinchen, bißchen staubig hier.“
„Ja, gibt richtig kleine Kügelchens, wenn man auf den Boden spuckt.“
Man tanzt weiter. Dann ein neuer Anlauf des Kavaliers.
„Freileinchen, möchten sie gern verheiratet sein?
„Na sie Schäker, wieso denn das?“
„Meinen sie nicht, da hätten sie`s besser?“
„Basser nich, Herr Unteroffizier, aber öfter!“
Man tanzt schon etwas enger. Marjellche schmiegt sich an die breite Soldatenbrust.
„Freileinchen, ich weiß, was sie jetzt denken!“
„I, pfuich, jehn se, sie altes Farkel, sie!“
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In einem Krankenhaus sterben auffallend oft Patienten in einem Zimmer auf der Intensivstation, und zwar seltsamerweise immer genau um 2o Uhr. Es wird eine Untersuchungskommission gegründet. Gespannt stehen die Professoren und Ärzte kurz vor 20 Uhr um das Bett des Patienten herum und beobachten die Geräte. Da geht die Tür auf. "Guten Abend!" sagt die Putzfrau, geht zur Steckdose, wechselt den Stecker und fängt an Staub zu saugen.
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Aufgeregter Anruf beim Arzt mitten in der Nacht; „Herr Doktor, sie müssen unbedingt sofort kommen. Unser Dreijähriger hat ein Präservativ verschluckt !“ Der Arzt hat sich gerade angezogen, als das Telefon wieder klingelt. Am anderen Ende wieder die Stimme der Mutter:
„Herr Doktor, sie müssen sich nicht mehr bemühen! Mein Mann hat im Nachtschränkchen noch eins gefunden!“
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Ein älteres Paar kommt zum Arzt und bittet Ihn, doch zu beobachten, was sie für Probleme beim Sex hätten. Kopfschüttelnd willigt der Sexualkundler ein, die beiden beim Coitus zu begutachten. Man legt sich auf die Couch und es dauert zwar lange aber gelingt zur vollen Zufriedenheit des Pärchens. „Na sehen Sie, es hat doch prima geklappt! Ich bekomme 50 Euro !“
Vierzehn Tage später erscheint das Pärchen wieder, lässt sich beobachten und zahlt 50 Euro. Als sie zwei Wochen später wieder beim Arzt ankommen fragt der verwundert: „Warum sind sie denn schon wieder da? Es funktioniert doch bei Ihnen wunderbar!“
„Ach wissen Sie, Herr Doktor, das ist so: Wir sind beide verheiratet. In ihrer Wohnung können wir uns nicht treffen und in meiner schon gar nicht. Das billigste Motel verlangt 100 Euro und bei Ihnen können wir es für 50 Euro haben und bekommen noch 46 Euro von der Krankenkasse zurück!“
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Zum Schluss noch eine Anekdote aus dem heutigen Estland. In der Fabel gilt dort immer der Wolf als Trottel:
Der Bär hatte sich bei seinem Wochenendhaus eine neue Toilette gebaut und diese mit einer Musikanlage ausgestattet. Als der Haase vorbeikommt lädt der Bär ihn ein, die Neuerung auszuprobieren. „Was wünscht du dir für eine Musik?“ „Rock and Roll!“ Als der Haase heraus kommt sagt er begeistert „Wow!“
Kommt der Fuchs daher und fragt, ob er mal aufs Klo darf. „Selbstredend, Gevatter Reikike, aber was darf ich ihnen dazu für eine Musik aufspielen?“ „Am liebsten etwas Klassisches!“
Der Fuchs komm gut gelaunt heraus uns sagt nur „Wow!“
Endlich bittet der Wolf, die Toilette benutzen zu dürfen. Der Bär fragt auch ihn nach seinen musikalischen Wünschen. „Ach spiel doch, was du willst, das ist mir egal“
Mit völlig nassen Hosen kommt der Wolf endlich fluchen aus dem Klo. „Was ist denn passiert?“ „Sie haben die estnische Nationalhymne gespielt und da musste ich aufstehen!“
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.Der Baron sitzt zu später Stunde in einer Dorpater Bar neben einer noch ganz knackigen Endfünfzigerin. Bei einigen Wodkas kommt man sich näher. Plötzlich fragt die Dame: "Sagen sie, Herr Baron, was halten sie von einem Abenteuer zu dritt mit Mutter und Tochter?" "Gnädigste, was für eine Frage! Natürlich ist man als Kavalier bei so einem Angebot kein Spielverderber!" Man macht sich gemeinsam auf den Heimweg. Die Kutsche hält.und als die Dame die Tür öffnet, sieht man den Salon in verführerischem Dämmerlicht. Auf leisen Sohlen nähert sich die späte Dame der Treppe und ruft hinauf:
"Oma! Schläfst du schon ?"
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