Johann Georg Schwartz 1793-1874
Geistlicher in der Gemeinde Pölve von 1820 – 1868

Geboren am 13. Juni 1793 in Riga. Sein Vater, Johann Bernhard Schwartz, war Sekretär in einem Waisenhaus, später Ratsherr. Die Mutter Christiane Amalie war eine geborene Gericke. Schwartz ging von 1800 -1804 in die Domschule und von 1804 bis 1811 in das Rigaer Bezirksgymnasium, studierte an der Universität Dorpat von 1814 bis 1819 Theologie. Er war danach Hauslehrer bei Major Woldemar von Ditmar. 1820 bestand er das Examen des Konsistoriums und wurde in der Heiligen Jakobs Kirche in Riga ordiniert. Danach versetzte man ihn nach Pölve zu Pastor Gustav Adolf Oldenkop, der damals schon das fünfundsechzigste Lebensjahr erreicht hatte, als Adjunkt. Pastor Oldenkop zog zwar nach Dorpat um, aber da er nicht amtlich emeritiert wurde, konnte Schwartz erst nach seinem Tode am 25.4.1838 selbständiger Pastor in Pölve werden, wo er bis 1868 diente. 1858 wurde ihm das goldene Kreuz verliehen. Von 1840 bis 1849 war er in der Schulaufsicht tätig. Ab 1859 gehörte er einer Estnischen Gesellschaft für Bildung an und von 1849 bis 1852 war er Probst im Kirchspiel Werro.
„Der erste Warts“ oder der „alte Warts“ (Wana Warts) war ein großer Menschenfreund pflichtgetreuer Seelenhirte, Schulkritiker und eifriger Sammler von Volksliedern und estnischem Wortschatz. Er arbeitete zusammen mit Dr. Fr. Faehlmann (1798-1850), Dr. Kreutzwald (1803-1882 und dem Akademiker J.Widemann (1805 – 1887). Mit Kreutzwald, der zehn Jahre jünger war als er, war er eng befreundet und bei der Schöpfung seiner estnischen Heldensage „Kalevipoeg“ ein wichtiger Ratgeber. Er verbreitete eifrig unter dem Einfluss von Kreutzwald und seinem Rat den Abstinenzgedanken . Er gründete 1840 den ersten estnischen Abstinenzverein, dessen Mitgliederzahl auf tausende anstieg. In Pölve hatte der Verein 1840 – 1844 zusammen 1036 Mitglieder, die dem Alkohol abschworen, von denen nur 16 ihr Wort brachen. Er nannte und verdammte die Trinker namentlich von der Kanzel oder wo immer er sie traf.
Er gab das Lehrbuch „Kooli-ramat“(Schul-Buch) heraus, dessen Bände u.a. hießen: „Kleiner Unterricht zum richtigen Schreiben“ 1852, „Das Erzählen von Ereignissen“ Band I und II 1858 -1861. 1873 erschien in Dorpat als letztes Geisteswerk und Schwanengesang das estnische Lesebuch „Der Freund der estnischen Kinder“. Seine Interessengebiete waren die estnische Sprache, die Natur und die Geschichte.
In der Amtszeit von J.G.Schwartz, nach Befreiung der Bauern aus der Leibeigenschaft in Livland 1819 , musste sich jeder Freigelassene zu amtlichen Zwecken einen Familiennamen wählen .Das Volk nannte diese Namen zunächst „Freiname“, Falschname“ oder „überflüssiger Name“, denn vielen Bauern erschienen diese Namen neben den Taufnamen zunächst ungewohnt und überflüssig. Das Registrieren dieser Familiennamen übernahmen überwiegend die Pastoren, teilweise auch die Gutsverwaltungen, vor allem der Gutsschreiber oder der Verwalter. Woanders fand die Namensvergabe auch in den Bezirksämtern statt. Der Kirchenvorstand in Pölve übertrug diese Aufgabe am 12. Mai.1822 dem damaligen Hilfspastor Schwartz, der dem Volk zahlreiche Familiennamen empfahl. Hier einige Beispiele: Armulik (gnädig) Hiir (Maus), Hurt (Windhund), Jahu (Mehl), Kurvits(Schnepfe), Tamm(Eiche), Sibul (Zwiebel), Savi (Lehm), Muld(Boden), Pikk (lang), Ratas(Rad), Lepp(Erle) oder ander estnische Worte wie Kanarik, Kiisk, Käis, Käo, Lutsuveer, Mötus, Nilbe, Pihu, Retel, Semm, Sölg, Sokk, Ubin, Vahtra, Zopp. u.s.w.
In der Amtszeit von J.G.Schwartz verbreiteten sich in Pölve Sekten, wie die Herrenhuter Gemeinde oder Brüdergemeinden, die auch eigene Gebetshäuser errichteten z.B. in Väimele-JaskaL 1835 oder in Kauksi 1823.
Da die Kirche in Pölve zu eng zu werden drohte (Die Bevölkerung in der Gemeinde war auf 10.000 gestiegen), fiel in die Amtszeit von J.G.Schwartz auch eine Erweiterung der Kirche in den Jahren 1841 bis 1845. Bei der Amtseinführung des Küsters von J.G.Schwartz, Adolf Matthisson oder vom „Alten Küster“ (wie der Vater des späteren Küsters Otto Matthisson genannt wurde), fand 1858 in Pölve ein erstes Sängerfest auf Kirchspielebene statt. Das war ganze 11 Jahre früher als das erste gesamtestnische Sängerfest 1869 in Dorpat.
J.G. Schwartz war zweimal verheiratet. Am 13.Juni 1817 heiratete er Anna von Ditmar, die Tochter des Majors von Ditmar. Sie verstarb 1832. Sein erster Sohn Woldemar Schwartz war 25 Jahre Bezirksrichter im Kirchspiel. Er residierte 2 km von der Kirche entfernt auf dem Gut Schwartzenhof (Puuri möis). Das zweitemal heiratete er am 7.Juni 1837 die Witwe Agatha Feldmann, die Tochter des Pastors Karl Eisenschmidt aus Kanapää, die 1850 verstarb. Aus dieser Ehe stammt der am 2.Juli 1838 geborene Johann Georg .
Am 17. November 1868 übergab Probst Schwartz die Pfarrstelle seinem Sohn. Er stand ihm aber als Adjunkt bis zu seinem 50. Amtsjubiläum zur Seite. Am 1.März 1873 traf den achtzigjährigen Geistlichen ein Schlaganfall in dessen Folge er die Sprache verlor. Der zweite Schlaganfall am 7.März 1874 löschte dann das Lebenslicht aus. Er wurde auf dem Friedhof neben seiner Kirche beerdigt. Den müden Diener Gottes begleitete eine große Menschenmenge zu seiner letzten Ruhestätte
Quelle: EELK Põlva Püha Neitsi Maarja Maarja kodulehekülg http://www.eelk.ee/~elulood/schwartz1.html