Eindrücke einer Estlandreise 1990

Meine erste Reise ins Baltikum machten wir 1990 aus Anlaß des 7o. Jubiläums unser Schule in Dorpat. Es war noch Sowjetzeit aber schon in der Perestroika. Wir landeten in Riga und wurden dort mit einem Bus nach Dorpat abgeholt.

Unser Jahrgang war bei der Umsiedlung etwa 16 Jahre alt gewesen. Deshalb kannten wir alle noch die verbotene Estnische Nationalhymne . Als wir in Walk über die Grenze fuhren, stimmte ich auf dem Akkordeon die Melodie an und dann sangen wir im Bus : "Mu isamaa mu önn ja rööm, kui kaunis oled sa" . Wir waren begeistert in der Singenden Revolution mitmachen zu können und unsere estnischen Dolmetscher hatten Tränen in den Augen.

Zwei Schlukameraden : Links Nilsen Stockeby und rechts Bork

Das Waltersche Privatgymnasium an dem mein Vater als Lehrer für Latein und Griechisch arbeitete. Hier ging ich als Quartaner ins Gymnasium

Mein erster Weg in Dorpat führte mich zu meinem Geburtshaus in der Pastoratsstraße 11, die jetzt natürlich "Öpetaja tänav"heißt. Mein Eltenrhaus stand noch wie seit über 100 Jahren, hatte aber keine "bürgerliche" Veranda mehr und dafür ein scheußliches Dach aus Eternitplatten.  Nur meine geliebte Eiche , auf der ich als Junge klettern durfte, stand noch eisern hinter dem Haus. 

Im Pro Studiorum, einem Studentenwohnheim, das uns als Hotel diente, wurden wir fürstlich verwöhnt. Eine Jugendfreundin von 1939 hatte ihre ganzen Gläser mit Konfitüre und sauren Gurken geopfert, om meiner Gruppe eine Freude zu machen. Sie schickte mir zur Begrüßung neben diesen Sachen einen PKW voll Blumen aus ihrem Schrebergarten, so dass wir auf jedem Zimmer frische Sträuße hatten.

Zu unserem Programm gehörte natürlich auch eine Fahrt auf dem Embach, der in Richtung Peipussee durch Dorpat fließt. Links und rechts unberührte Natur. Eine Wildente mit Jungen greift wütend unser Schiff an. Kranische, Störche, alle Arten von Wasservögeln erfreuen unser Herz.

Auf dem Weg durch Estlanmd kamen wir auch in der alten Ordensstatt Fellin vorbei, die hoch  über einem große see liegt.  Hier gab es 1939 ein Skisprungschanze, die heute nicht mehr ion betrieb ístm weil durch den Klimawandel der Schnee fehlt, den es früher so reichlich gab.

Sehr beeindrucken ist das Denkmal, das die esten den von den Russen nach Sibirien verschleppten Landsleuten in Tartu gesetzt haben.

Dagegen wurde das Lenin-Denkmal, vor dem ich hier stehe, schon 1990 in einer Nacht-und Nebelaktion mit einem Baukran abgerissen und vor dem Rathaus fallen gelassen. Tartu rühmte sich damals, die ersze leninfreie Stadt der Sowjetunion zu sein. Die Demonstrant im Hintergrund sind Legionäre der Wadffen-SS, die Schilder mit der Aufschrift tragen:Lenin eine geschlechtskranker Terrorist

Hier ein Blick auf ein noch erhaltenes Tor der Burg von Fellin